2018-07-05 4 Minuten

Dropshipping: eine Abrechnung

Wenn man heute auf Instagram unterwegs ist, könnte man meinen, die Welt kostet nix mehr.

Gratis Uhr hier, gratis Armreif da.

Manche mögen das sofort als billigen Versuch erkennen, Geld zu machen, oder irgendwie an meine Daten zu kommen.

Nur:

Warum sehe ich diese Werbungen seit Monaten?

Weils funktioniert.

Und damit hab ich ein Problem.

Was erwartet jemand, der so etwas bestellt?

Ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster und sage, dass die Personen hinter diesen Anzeigen keine altruistischen Motive haben.

“Ich will einfach, dass die Leute mehr Uhren tragen”

– kein Onlinemarketer, ever

Heißt: diese Maschinerie ist den Gesetzen des Marktes unterworfen.

Heißt auch: irgendwie muss sich das rechnen.

Aber wie?

Die Versandkosten. Tatsache.

Sehen wir uns mal eine der Anzeigen an, für die ich 2 Minuten auf Instagram suchen musste:

Was wären Versandkosten, die ich für eine “Premium” Uhr in Kauf nehmen würde? 10, 12 Dollar?

Das würde bedeuten, dass die Uhr in der Herstellung weniger als 10 Dollar kostet.

Sonst würde es sich ja nicht rechnen.

Wo kommt diese Uhr her?

Aus China natürlich. Und zwar gibt es einen Onlineshop für Großhändler, wo Fabriksbesitzer und andere Unternehmer ihre Waren anbieten können.

Noch einmal zwei Minuten auf Google investiert, finde ich unsere Uhr von oben:

2 Dollar 33.

Und wer genau liest, sieht: diese Uhren werden noch dazu kostenlos in die USA versandt. Unser random Instagram Marketer verdient also pro Uhr in diesem Beispiel ungefähr 7 Dollar.

Naja, ganz so ist es auch nicht. Irgendwie muss das natürlich beworben werden.

Wo findet man Kunden dafür?

Der eigentlich schwierige Part an diesem ganzen Business ist das Verkaufen. Und das ist ein knallhartes Numbers Game. Mit Online-Werbung kann genau gesagt werden, wie viele Prozent Conversion Rate eine bestimmte Instagram Ad hat.

Man hat also zu jedem Zeitpunkt den Überblick, ob der eigene Shop profitabel ist oder nicht.

Und wenn ich mir oben stehende Summen so ansehe, kann man hier bis zu 7 Dollar pro Neukunden ausgeben, und das Ding ist immer noch profitabel.

Jetzt fragst du dich vielleicht:

Wie baut man so etwas auf?

Der Name für diese Art von Geschäften ist Dropshipping. Und dazu findest du hunderte Gurus online.

Die Grundvoraussetzungen fürs Dropshipping sind eigentlich sehr leicht zu erreichen:

  • Einen Shopify-Shop (3h, ev. noch 100 Dollar für ein Template dazu)
  • Einen Lieferanten (der die Pakete direkt an die Kunden schickt, so dass du dich nicht mit Lagerkosten oder anderem uninteressanten Blödsinn herumschlagen musst)
  • Eine Nische (oder fuck it, verkauf Uhren!)
  • Werbung

Das ist die Schönheit des Ganzen: jeder, der Onlinemarketing kann, kann so etwas aufbauen.

Gleichzeitig die Schattenseite: Jeder und seine Mama macht das inzwischen. Im großartigen Podcast Reply All kommen Dropshipper zu Wort, die tausende Dollar investiert haben, nur um zwei Verkäufe zu generieren.

Es klingt so einfach, aber in Wirklichkeit ist Dropshipping ein knallhartes Business, in dem nur die Besten überleben.

Aber gut, sollte dein Dropshipping nix werden, kannst du immer noch einen Onlinekurs drüber machen. 🙄

Warum ich Dropshipping nicht mag

Bevor ich zum Fazit komme, hier noch ein Schmankerl von aliexpress:

#photoshop: Natürlich trägt Herr Beckham die 2-Dollar-Uhr, während er vor seinem Bentley steht.

So.

Jetzt zu meinem Rant:

Ich weiß eigentlich nicht, was mich an dem Ganzen am meisten stört.

Ist des der Fakt, dass es sowieso schon viel zu viel billigen Plastiksch..mafu gibt, den wir nicht brauchen?

Oder dass ich eine generelle Abneigung gegen Werbung habe, vor Allem wenn sie so low quality ist?

Dass hier Personen der Gier nachgehen (natürlich will jeder von zu Hause aus einfach Geld verdienen), um dann oftmals im selbstverschuldeten Ruin landen? Dass es Schaufelverkäufer gibt, die mit 5.000-Dollar-Onlinekursen eben diesen Goldgräbern versprechen, dass erst dann ihr Shop so richtig abhebt?

Ist es eine tiefe Enttäuschung, dass die Idee vom mündigen Konsumenten offenbar Blödsinn ist, wenn so etwas funktioniert?

Oder bin ich einfach nur salty, dass ich selbst kein Dropshipping-Millionär bin?

Von Hackern, Wordpress, SEO & Co

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