2018-06-28 6 Minuten

Guide: Memes

Ich wollte eigentlich schon immer mal über Biologie schreiben. Genauer: über die Evolutionstheorie.

Nicht nur werde ich euch mit meinem Halbwissen in Biologie beeindrucken, sondern das Ganze auch noch in Bezug zur Internetkultur setzen.

Warnung: Dir wird es vermutlich sehr leicht fallen, einfach nur den Kopf zu schütteln und das Thema als Absurdität abzustempeln. Tu das bitte nicht. Das Ganze ist weitreichender, als man vielleicht glauben würde.

Was ist ein Meme?

Man kann Internetkultur nicht ohne “Memes” schreiben. Tatsächlich ist der Begriff meme älter als ich es bin. 1990 wurde er zum Ersten mal in einem evolutionären Kontext verwendet.

Ein Mem (Mehrzahl: Memes) ist ein einzelner Bewusstseinsinhalt, zum Beispiel ein Gedanke. Es kann durch Kommunikation weitergegeben und damit vervielfältigt werden und wird so soziokulturell auf ähnliche Weise vererbbar, wie Gene auf biologischem Wege vererbbar sind.

Im Internet nehmen diese Memes hauptsächlich die Gestalt von Bildern mit einer mehr oder weniger lustigen Caption an. Ein Beispiel ist der Philosoraptor, der 2009 die Runde machte:

Irgendjemand hat sich diese Frage gestellt und beschlossen, ein Meme zu erstellen. Hierfür hervorragend geeignet war offensichtlich der Philosoraptor: ein Dinosaurier, der sich die existenziellen Fragen des Lebens stellt.

Die Person teilt dann dieses Bild, in der Hoffnung, dass andere Personen es z.B. teilenswert finden – oder es sogar viral geht.

Der Lebenszyklus eines Memes

Grob lässt sich der Lebenszyklus eines Memes in ein paar Phasen einteilen, von der Entstehung bis zum Erscheinen im Facebook Feed deiner Eltern.

Schauen wir uns das am Beispiel der Grumpy Cat an, deren Markenwert auf mehrere Millionen Dollar geschätzt wird.

1. Die Entstehung

Täglich werden tausende Memes auf Seiten wie Reddit oder 4chan erstellt. Aber nur ein Bruchteil dieser schafft es, überhaupt ein paar Anhänger zu finden, die diese als “gut” erachten.

Die Besitzerin der Katze namens Tardar Sauce hat 2012 ein Bild auf reddit gepostet:

Heh. Eine Katze die grumpy aussieht. Das hat Potenzial.

Das ruft natürlich das Internet auf den Plan. Innerhalb kürzester Zeit werden Captions ins Bild eingefügt:

Heh. Noch besser.

2. Die Bekanntheit steigt

Das Meme wird immer bekannter. Es wird geteilt, gepostet und mit Upvotes versehen. Es erreicht immer mehr Leute.

Hier beginnt die kambrische Explosion dieses Memes: jeder hat eine Idee für ein neues Grumpy Cat Meme, und führt diese aus.

Relativ schnell wird jedoch klar: nur die besten Memes aus dieser Ursuppe überleben. Die anderen verschwinden in der Versenkung.

Auf reddit wurden innerhalb von 48 Stunden 300 Grumpy Cat Posts erstellt.

Die Bekanntheit ruft natürlich dann auch andere Webseiten auf den Plan: Kandidaten wie Buzzfeed oder 9gag übernehmen die besten Memes 1:1 und erweitern so das Publikum noch einmal um Millionen von Menschen.

Hier beginnt das Meme, Mainstream zu werden.

3. Der Anfang vom Ende

Hier schwindet die initiale Kreativität der Memes-Ersteller. Irgendwie ist schon alles gesagt, was denn eine Katze sagen könnte, die einfach schlecht drauf ist.

Dennoch, der Joke ist noch lange nicht zu Ende. In dieser Phase wird das originale Meme anders interpretiert, mit anderen Memes kombiniert, und es entsteht so eine gewisse “Artenvielfalt”.

So enstand im Hype auch die Grumpy Grandma, die von der Bekanntheit der Grumpy Cat profitiert.

Warum aber ist das der Anfang vom Ende?

“Das Internet” – oder die Personen, die sich selbst als “das Internet” bezeichnen, nutzen Memes, um sich vom Mainstream gewissermaßen auch abzugrenzen.

Zum Beispiel: Millenials sind nicht mehr auf Facebook, weil dort die alte Generation ist.

Und genau so läufts mit der Internetkultur: In dieser Phase ist der ursprüngliche Kern, der diese Memes bekannt gemacht hat, bereits weitergezogen und ist von diesem Meme bereits genervt.

4. Das Ende

Wenn ein Meme im Fernsehen gezeigt wird, ist es bereits tot. Hier werden aber erst die Personen darauf aufmerksam, die sonst nichts mit der Internetkultur zu tun haben.

Die Besitzerin der Grumpy Cat hat sofort eine Firma gegründet, die die Markenrechte am Bild der Katze verwertet. Du willst einen Becher mit der Grumpy Cat produzieren? Zahl Lizenzkosten.

Hier hat das Meme hat nichts mehr mit der ursprünglichen, originellen Idee zu tun. Es ist entweder zur Geldmache verkommen, oder aber schon so durchgekaut, dass es schon fast peinlich ist.

Und genau hier liegt der Grund, warum Unternehmen es nicht schaffen, bei der Jugend “in” zu sein:

Unternehmen und Memes

Wann sieht die Marketing-Abteilung eines Unternehmens die Memes? Wenn es schon zu spät ist.

Die Internetkultur ist extrem schnellebig. Bevor der Regional Director Marketing EMEA deinen Post freigegeben hat, ist er veraltet.

Und das ist meiner Meinung nach der Grund, warum es Unternehmen so schwer fällt, in die Jugend/Internetkultur zu tappen.

Vielleicht sollte man hier tatsächlich mal die Jugend ans Ruder lassen?

Memes und die echte Welt.

Vielleicht kannst du dich noch an den großen Memewar 2016 erinnern. Als ein Donald-Trump-Fanforum auf reddit ein wenig Action gemacht hat:

Hier wurden Memes dazu verwendet, die eigene politische Botschaft an möglichst viele Personen zu verteilen. Quasi einen Virus zu erzeugen, der den Mechanismus der Meme-Verbreitung nutzt.

Untersuchungen haben dann ergeben, dass auch russische “Wahlkampfhelfer” maßgeblich daran beteiligt waren.

Memes sind also keineswegs nicht nur ein unlustiger Weg, wie Personen im Internet kommunizieren. Sie finden immer mehr ihren Weg in die Popkultur. Und auch in die Politik.

Tribok und Knoblauchbrot: die absurde Seite

Wusstest du, dass ein Tribok ein 90kg schweres Projektil bis zu 300 Meter weit schleudern kann? Jetzt schon.

Natürlich gibt es eigene Communities, die mit richtig absurden Memes glänzen.

Eine davon – und einer meiner persönlichen Favoriten – ist trebuchetmemes.

Memes über eine mittelalterliche Belagerungswaffe.


Diese Community verbindet by the way ein tiefer Hass gegenüber Katapulten.

Sogar Memes über Knoblauchbrot sind keine Seltenheit:

Kein weiteres Kommentar, euer Ehren.

Fazit

Beim Schreiben dieses Artikels ist mir zum ersten Mal klar geworden, wie die Internetkultur auf Personen wirken muss, die ausserhalb des ganzen Theaters stehen.

Ich hoffe ich konnte dir das Thema ein wenig näher bringen – und habe nicht nur dein Kopfschütteln intensiviert. Vor Allem Personen in der Werbebranche sollten sich meiner Meinung nach diesem Thema nicht entziehen.

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2 Kommentare

  1. Cooler Artikel.
    Ich sehe das ähnlich: Wenn Memes verwendet werden, dann viel zu spät oder (noch schlimmer) völlig falsch. Das Problem, dass ich dabei habe, ist ein Plattform-Problem.
    Entscheidet man sich also für den strategischen Zug, Memes für die Unternehmenskommunikation zu nutzen, muss ich logischerweise auf den Content-Creator Seiten wie reddit, tumblr oder 4chan vertreten sein. So kann ich einerseits die Trends beobachten und analysieren (was hat für mich Potential?), aber – wie geht es dann weiter? Von erfolgreichen Unternehmen auf reddit (abseits von einzelnen AMAs) hab ich noch nicht gehört. Macht für ein österreichisches Unternehmen auch wenig Sinn.
    Kommt das Meme aber gerade erst auf, macht es auch noch keinen Sinn, dass auf den etablierten Plattformen in Ö (Facebook, Instagram, …) zu teilen – kennt ja noch keiner.

    Memes und Unternehmen find ich auch schwierig. Gerade Marken, die das eigentlich gut machen (z. B. innocent, Netflix) wirken trotzdem manchmal gezwungen. Ich glaube, dass man weggeht von „Unternehmen“ und bei „Personen“ landet – wie es in der Politik schon lange üblich ist. Statt unter einer FPÖ-Seite haut man alles als HC Strache raus. Dann kann man nämlich schön mitmischen: AMAs auf (dt. reddit), bissl twittern was man heute so macht inkl. Memes, FB und Insta live. Und hat einen schönen emotionalen Bezug dazu 🙂

    Richtig cooler Artikel, würd mich über mehr zur Internetkultur freuen! (gibt’s ibash eigentlich noch…?)
    LG
    Lisa

    PS: Ich persönlich bin ja ein Fan von Text-Memes, noch mehr als von Bildern. Mein Liebling ist immer noch „I came out to have a good time and I’m honestly feeling so attacked right now“. Das war so schön dramatisch.

    1. Da hast du vollkommen recht. Das „Problem“ mit den Content-Beobachtern gibt es natürlich auch in klassischen Social Media Kampagnen, bei denen eben Personen die nah genug am Puls der Zeit sind, Trends ausmachen und analysieren. Aber ja, Memes sind sehr schwierig im Unternehmensumfeld richtig einzusetzen.

      Ich selbst habe meine Schreibtätigkeit weg von meinem Unternehmen hin zu meiner Person verlagert. In der Tat, es fällt hier um einiges leichter, in die Diskussion einzusteigen. Auch wird einem weniger Skepsis entgegen gebracht. Nur: eine Personal Brand ist für ein Unternehmen kurzfristiger als die Unternehmensbrand selbst. Geht Strache in Pension, muss die aufgebaute Community irgendwie auf jemand anderen „übertragen“ werden.

      LG
      Martin

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