2018-03-29 8 Minuten

Wie erkennt man eine gute Webseite?

Eine gute Webseite ist nicht nur subjektiv zu beurteilen.

I HAVE SEEN THINGS.

Nein, keine Geister oder Monster. Aber in meinen fast 3 Jahren in der Selbständigkeit durfte ich mir viele Webseiten ansehen.

Und einige davon waren… sagen wir einmal sehr kreativ gelöst.

Na gut, es können halt nicht alle Webseiten in der User Experience so gut sein wie Blende 7 (Ein Relikt aus alten Zeiten – ich challenge euch, die User Experience und Produktkategorisierung auf dieser Webseite zu kapieren).

Vielleicht bist du selber schon auf eine Webseite gestoßen bei der irgendwie irgendetwas komisch ist. Wo es nicht zu 100% Spaß macht, sie zu verwenden.

Oft ist es schwer, auf ein bestimmtes Detail mit dem Finger zu zeigen, aber ich hab’s mal versucht:

Wie findet man heraus, ob eine Webseite gut ist?

Die wahrgenommene Qualität einer Webseite hängt natürlich stark vom subjektiven Userempfinden ab. Ich konzentriere mich hier auf technisch gute Webseiten, nicht auf schöne Webseiten.

Aus diesem Grund lasse ich hier Designfragen – sofern sie nicht die User Experience betreffen – außen vor.

Beginnen wir direkt einmal mit einem der für mich wichtigsten Faktoren:

Die Performance

Amazon verliert für jede Sekunde mehr Ladezeit 1.6 Millarden Dollar Revenue.

Wenn ich einen Ladebalken zu lange sehe, habe ich sofort ein ungutes Gefühl. Aber vielleicht bin das nur ich.

Menschen im Internet sind extrem ungeduldig. Lädt eine Webseite länger als ein paar Sekunden, hat das stark negativen Einfluss auf den Traffic.

Ein Wort über Page-Speed Tests

Der Google PageSpeed-Test testet eine Webseite nur auf technische Faktoren. In manchen dieser Tests ist es kaum möglich, einen perfekten Score zu erreichen, wenn man z.B. den Facebook Pixel oder Google Analytics installiert hat.

Wenn ich mir meinen Blog auf gtmetrix.com ansehe (mein persönlicher Favorit in Sachen Page-Speed Tests), sehe ich folgendes Ergebnis:

WAS? Nur ein C!?

In den Details sehen wir aber, dass hier die Google Fonts und Analytics den C-Score verschulden. Hier kann ich zwar natürlich auch noch nachbessern (und das werde ich, das Kapitel Performance ist ein Rabbithole sondergleichen), aber auf was ich hinaus will, ist eigentlich:

Fast wichtiger als die technischen Faktoren in der Performance ist das User-Erlebnis.

Ab wann sieht ein User Inhalte, ab wann kann er bereits Content lesen? Oder muss ich mir einen Ladebalken ansehen, bis auch jedes letzte Bild geladen wurde?

Auch das testet GTMetrix ab:

Das ist natürlich für jeden User leicht unterschiedlich. Prinzipiell bin ich damit eigentlich schon sehr zufrieden. Auch vom Usererlebnis sind mir noch keine Beschwerden zu Ohren gekommen.

Hast du Probleme mit diesem Blog? Kommentiere bitte sofort unten! ⬇️

Gleich zum nächsten Thema: da du diesen Artikel mit einer 41%-igen Wahrscheinlichkeit (Quelle: Google Analytics) auf einem Smartphone liest:

Responsivität und mobile first

Irgendwie arg, dass ich das heute noch extra in ein Angebot schreiben muss.

Ich wüsste nicht einmal, wie ich eine Webseite nicht responsive mache. Das war vor meiner Zeit.

Aber eines steht fest:

Ist eine Webseite nicht auf Mobilgeräte ausgerichtet, hat das einen Haufen negative Auswirkungen:

  • Schlechteres Ranking auf Google
  • Höhere Absprungrate
  • Unzufriedene User
  • weniger Conversions
  • schlechte Performance kommt stärker zu tragen (Mobil ist die Internetverbindung oft langsamer als im Office mit der Glasfaserleitung)

Hier also bitte keine Kompromisse eingehen.

Tip: sollte deine Webseite (a) bestimmten Content auf mobilen Geräten gar nicht anzeigen, (b) mit einer mobil.xyz.com Domain arbeiten (looking at you, derstandard.at) oder (c) gar nicht responsive sein:

Viel Spaß auf Seite 40 auf Google.

Apropos Google.

Die technische Struktur der Seite

Gut, hier gibt es heute meist keine Probleme mehr.

Trotzdem, kurzer Ausflug ins SEO:

Die HTML-Struktur einer Seite ist ein Rankingfaktor auf Google.

So sollte es genau einen H1-Tag geben, der den Titel (+Keyword) der Seite enthält. Alle anderen Headlines sollten H2 bis H6 sein.

Bestimmte Texte einfach größer zu machen reicht hier nicht – es muss der bestimmte Tag sein.

Ausflug vorbei.

Entsprechende Meta-Tags und die Struktur sind zwar nicht alleinige Ranking-Faktoren, bilden aber eine solide Basis. Quasi die Pflicht.

CMS-Systeme wie WordPress können das out of the box relativ gut – ansonsten gibt es auch Plugins dafür.

Ich sehe aber immer wieder Webseiten (vor Allem von Mach-deine-Webseite-selber-Anbietern), bei denen es nicht einmal die Möglichkeit gibt, unterschiedliche Headlines zu erstellen.

Well shit.

Sicherheit

Nicht erst seit dem Facebook-Skandal oder der DSGVO sollte man auch auf die Sicherheit einer Webseite achten.

Das beginnt mit dem Usermanagement und der Absicherung gegen Hacking-Angriffe. Davon sieht der End-User nichts, im Hintergrund ist hier aber viel zu machen.

Sicherheit ist aber zum Beispiel auch HTTPS. Das ist dieses grüne Schloss in eurer Browserleiste.

Das zeigt, dass jeder Traffic zwischen dir und der Webseite verschlüsselt ist.

Heißt:

Auf jeder Webseite, wo Kundendaten erhoben werden, sollte eigentlich HTTPS laufen.

Ohne HTTPS kann der Traffic zwischen dir und der Webseite theoretisch abgefangen werden, und jemand kann lesen, was du ins Kontaktformular geschrieben hast.

Das macht jetzt in den meisten Fällen niemand (und ist noch dazu eine schlechte Ausrede), dennoch zeigt HTTPS, dass sich der Betreiber um die Sicherheit der Nutzer kümmert.

Abstimmung auf den jeweiligen Browser

Zum Browserthema muss man zuerst mal sagen:

Fuck Internet Explorer.

Das tat gut.

Es gibt keinen schlimmeren Browser, für den man eine Webseite machen könnte. Er hält sich nicht an Standards, ist vollkommen veraltet, und das schlimmste: läuft immer noch in vielen Unternehmen.

Kennt ihr die drehenden Dreiecke im Headerbild meines Blogs? Musste ich für den Internet Explorer deaktivieren:

Schließen wir das gar nicht so passive aggressive Kapitel über den Jar-Jar Bings unter den Browsern ab.

Das Fazit:

Wenn eure Kunden im Internet Explorer unterwegs sind, sollte ihr Erlebnis zumindest nicht negativ sein.

Es können einzelne Features deaktiviert werden, die die Seite vielleicht weniger schön machen, aber so können auch IE-User die Webseite genießen.

Auch hieran erkennt man eine gute Webseite, so weh es mir als Webdeveloper tut.

Themawechsel.

User Experience (UX)

Das ist ein riesiges Thema, aus dem sich in den letzten Jahren eine eigene Branche erhoben hat – das UX-Design.

Hier geht es im Prinzip darum, die Webseite/App so anzupassen, dass das User-Erlebnis möglichst gut ist.

Ein sehr gutes Beispiel ist hier die neue ÖBB-App (tatsächlich) :

früher musste man im Scotty einen Zug suchen, und dann – wenn man so wahnsinnig war, das Ticket im Internet zu kaufen, auf eine eigene App umsteigen. Dann war das Interneterlebnis mit der ÖBB zu Ende.

Die heutige ÖBB-App kann das alles. UND sie zeigt die nächsten Steps der Reise an, auf welchen Bahnsteig man muss und wie lange es noch dauert.

#notsponsored

Im Zentrum der UX steht – na eh – der User.

Wenn ich unterwegs bin, und am Handy nach einem Restaurant suche, brauche ich keine Geschichte, wie das Haus im 18. Jahrhundert erbaut wurde. Ich brauche genau:

  • die Öffnungszeiten
  • die Adresse
  • evtl. noch das Menü

Das war’s.

Diese Überlegungen sind alle sehr früh in der Entstehungszeit einer Webseite anzustellen. Aber über UX-Design können qualifiziertere Personen als ich Artikel schreiben.

Dennoch: User Experience geht auch ins Detail.

Der User muss erkennen, welche Elemente interaktiv sind, und was der nächste Schritt ist, der verlangt wird

Natürlich konvertiert dein Onlineshop nicht, wenn der “In den Warenkorb”- Button ein Textlink in der selben Farbe und Schriftgröße wie der Rest des Fließtextes ist.

Ziel ist es hier, die Aufmerksamkeit des Users zu lenken.

Ein roter Button erhält bis zu 30% mehr Klicks als ein grüner Button. Wie sieht es dann mit Buttons aus, die nicht einmal als Buttons erkennbar sind?

Vielleicht ist euch aufgefallen, dass die Buttons, Hervorhebungen und Listen auf diesem Blog Orange gehalten sind? Das war eine bewusste Entscheidung.

Nicht überfordern

Das menschliche Kurzzeitgedächtnis kann 7 Dinge (+- 2) gleichzeitig im Kopf behalten. Aus diesem Grund sollten zum Beispiel Menüs grob auf diese Anzahl an Items kommen.

Ansonsten ist der Aufwand zu hoch, alles zu erfassen.

Und wir wissen alle, was das zur Folge hat: Menschen springen auf einer Webseite eher ab, als erst langwierig die Webseite zu verstehen.

We need to go deeper…not

Kennt ihr diese Webseiten, wo man nach 10 Minuten immer noch nicht gefunden hat, was man sucht – und sich verirrt hat? #totallyrelatable

Es ist nicht immer leicht, aber die Ebenen der Inhalts-Struktur sollten auf ein Minimum begrenzt werden.

keine Werbung

Ich verstehe, manche Webseiten müssen sich irgendwie finanzieren. Aber ich habe noch immer keine Person gefunden, der die allesüberspannende Bannerwerbung gefällt.

Wenn dich das Thema UX interessiert, hier noch eine Empfehlung: die Seite Laws of UX erklärt einige Basics ziemlich gut.

Das Backend

Bis jetzt haben wir uns fast nur um den End-User gekümmert. Aber es gibt natürlich auch noch die Personen, die die Webseite aktualisieren müssen.

Hier kommt das sogenannte Backend, also der Admin-Bereich einer Webseite ins Spiel.

Hier bin ich sehr dankbar für WordPress, das mir als Programmierer bereits einen Großteil der Arbeit abnimmt.

Dennoch:

Die Person, die die Inhalte pflegt, sollte – möglichst schnell und einfach alle Einstellungen finden. Auch das macht eine gute Webseite aus.

Deshalb bin ich auch ein Gegner von eigens entwickelten CMS-Systemen. Nicht nur kommt hier der Lock-In-Effekt zu tragen, noch dazu kennt sich keiner initial aus.

Das ist für die Agentur natürlich bequem, wenn man direkt noch 2-3 Workshops dazu verkaufen kann, aber ultimativ schadet das meiner Meinung nach.

Was findest du bei Webseiten besonders störend?

Das war ein gar nicht so kurzer Einblick, wie ich die Qualität von Webseiten beurteile.

Nun zu dir:

Was macht dich bei Webseiten besonders aggressiv?

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