2019-07-18 6 Minuten

Antifragilität oder: das bigger picture deiner Karriere

Profitiert deine Karriere von Chaos? Oder bist du eineR der Ersten, die ohne Job dasteht?

“Ich werde mehr lesen” ist einer der Vorsätze, die mich schon seit Jahren begleiten. Hin und wieder funktioniert’s, meist kommt das Leben dazwischen (Und mit Leben meine ich eigentlich mein Unternehmen).

Umso schwieriger, wenn mir ein 500-Seiten Wälzer über Risikomanagement empfohlen wird.

Womit ich nicht gerechnet hätte: dass dieses Buch mir einen Mind-Blown Moment nach dem anderen beschert. Besonders ein Konzept hat es mir extrem angetan.

Das Konzept der Antifragilität.

Nassim Nicholas Taleb

Hier gleich eine Warnung: die ersten 100 Seiten war ich hin- und hergerissen: der Autor Nassim Nicholas Taleb hat ein Ego, gegen das meines verblasst. Die Arroganz tropft fast von den Seiten.

Es fällt leicht, ihn zu haten, wenn da nicht die andere Seite wäre: Die Ideen selbst sind genial.

Wenn du dich selbst davon überzeugen willst, das Buch findest du hier (kein Affiliatelink).

Starten wir mit einem Fakt, der uns eigentlich allen irgendwie klar sein sollte:

Menschen können einfach keine Risiken einschätzen

Wir haben Angst vor Terroranschlägen und vergessen dabei, auf unseren Körper zu achten. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Herzkrankheit zu sterben ist um einiges höher als die eines Terroranschlags.

Diese Schwäche zeigt sich in jeder Finanzkrise. Das hat Herr Taleb in seinem Dayjob als Investmentbänker mitgekriegt.

Was also tun? Risikomanagement ganz aufgeben?

Das funktioniert vielleicht für dein Privatleben. Aber nicht für Staat, Finanzsystem oder Unternehmen.

Statt mit absurd kleinen Wahrscheinlichkeiten zu rechen, die wir nie einschätzen können, könnten wir uns doch die Systeme selbst ansehen.

Historisch bekannt sind hier zwei Ausprägungen. Taleb hat dann die dritte dazu “erfunden”.

Fragilität

Symbolbild: Gläser

Wenn ein System durch externe, volatile Faktoren negative Folgen erfährt, dann ist es fragil.

Oder anders gesagt:

Wenn ein Glas auf den Boden fällt, wird es kaputt.

Das Glas (fragiles System) profitiert nicht (wird kaputt) von externen, chaotischen (Aufprall am Boden) Umständen.

Dafür muss man noch kein Risikomanager oder Investmentbänker sein.

Der Grundgedanke lässt sich jedoch leicht auf andere Systeme umlegen:

  • Unser Finanzsystem reagiert nicht so gut auf Krisensituationen
  • Unser politisches System reagiert gar nicht so gut auf z.B. Missinformation und Fake News
  • Dein “sicherer Job” reagiert nicht so gut auf Automatisierung oder Finanzkrisen

Wenn man sich dies einmal durch den Kopf gehen lässt, sieht man sie überall, die Fragilität. Systeme, die mit sich ändernden externen Umständen einfach nicht so gut klar kommen.

Zum Glück ist aber nicht alles fragil, was wir als Menschen bis jetzt erschaffen haben.

Robust

Symbolbild: Holz

Wenn ein Block Holz auf den Boden fällt, ist ihm das egal. Er wird nicht kaputt. Er ist also robust.

Robuste Systeme lassen sich nicht stark von externen Umständen beeinflussen:

  • Das multinationale Unternehmen steckt weg, wenn ein Markt mal nicht die gewünschten Zahlen liefert
  • Erdbebensichere Häuser stehen nach Erschütterungen unverändert
  • Das Plastikteller geht nicht zu Bruch, wenn es fällt.
  • Der Programmier-Job wird von Automatisierung und Digitalisierung eher wenig, und vielleicht sogar ein wenig positiv beeinflusst.

Robustheit ist das Beste, auf das wir im Alltag abzielen. Wir machen Investments, die möglichst krisensicher sind. Wir nehmen den Job, bei dem wir bis ans (Arbeits-)Lebensende zwar nicht glücklich werden, aber zumindest safe sind.

Spätestens seit Talebs Büchern gibt es aber eine dritte Variante (bzw. hat sie einen Namen):

Antifragilität

Symbolbild: Muskeln

Wie der Name schon sagt: Antifragilität ist das Gegenteil von Fragilität.

Ein System das besser wird, wenn es Volatilität und chaotische externe Bedingungen erfährt.

Lass das kurz in deinen Kopf sickern. Etwas, das besser wird, je mehr Chaos es erfährt? 🤯

Vielleicht ist das noch ein wenig zu abstrakt. Die Mutter aller antifragilen Systeme ist die Evolution. Wir – und eigentlich alle anderen Spezies – sind durch widrige externe Umstände nur besser geworden. Wir Menschen sind so gut angepasst, wir können in jeder Umgebung leben. Bis es jedoch so weit kam, mussten viele Arten aussterben, mutieren, an der Fortpflanzung scheitern.

Der Muskel ist ein weiteres Beispiel. Beim Krafttraining erfährt der Muskel feine Einrisse, die stärker zusammenwachsen als zuvor. Der Muskel wächst durch negative externe Umstände. Muskel + Chaos = Gains.

Was, wenn wir unser Leben, unsere Jobwahl, unsere Zeit antifragil nutzen könnten?

Antifragilität im Alltag

Seit ich das Buch gelesen habe, versuche ich, mein Leben möglichst antifragil auszurichten. Ich habe dazu keine Excel-Tabelle erstellt – es geht um den Grundgedanken dahinter.

Auch verschiedene Karrierepfade lassen sich nach ihrer Fragilität beurteilen. Taleb selbst sieht sich als Beispiel für Antifragilität:

Kontroverse (und Taleb ist genau so ein Kandidat) hilft dem Autor. Je mehr Personen ihn öffentlich angreifen, desto bekannter wird er und desto mehr Bücher verkauft er.

Politiker oder Manager sind da im Vergleich um einiges fragiler.

Aber zurück zu deiner Karriere. Im Prinzip musst du dir nur folgende Frage stellen:

”Profitiert dieses Projekt, dieser Job von Chaos?”

Kannst du diese Frage mit Ja beantworten, bist du ziemlich gut für die Zukunft aufgestellt. Mir selbst hat diese Frage viel Klarheit verschafft.

Damit du ein paar Ansätze hast, so habe ich meine aktuellen Tätigkeiten bewertet:

  • Webseiten-Development: Gibt es eine Krise oder gerät ein Unternehmen in Schieflage, ist das Marketing oft eine der Dinge, wo zuerst versucht wird zu sparen. In der nächsten Finanzkrise wird dieser Teil meines Unternehmens sehr wahrscheinlich massive Einbrüche erfahren. Urteil: eher fragil. Beibehalten, aber Schritte setzen, diesen Part zumindest robust zu machen.
  • Business-Applikationen programmieren: Diese Programme sind wichtig für den Ablauf der Prozesse in einem Unternehmen. Die können also nicht so leicht heruntergefahren oder ausgetauscht werden. Urteil: robust. Beibehalten.
  • Blog / persönliche Marke: Wie wichtig eine Personal Brand ist, habe ich an dieser stelle schon mehrmals behandelt. Da ich vollkommen frei schreiben und sagen kann, was ich will, würde ich den Blog sogar als antifragil sehen. Deshalb wird die persönliche Marke auch weiterhin bei mir einen hohen Stellenwert einnehmen. Vielleicht sollte ich sogar ein wenig Kontroverse heraufbeschwören.
  • IT Sicherheit: Die IT Security ist eine der antifragilsten Branchen, die man sich als Karrierepfad aussuchen kann. Cyberwar? Finanzkrise? Alles bleibt, wie es ist? In allen Fällen profitiert diese Branche. Urteil: antifragil. Jede freie Minute darauf verwenden, in diesen Bereich einzusteigen.

Hier geht es nicht um heute oder morgen

Wir als Generation sind viel zu sehr beschäftigt mit dem nächsten Bali-Urlaub und wie viele Leute unsere Instagram-Story gesehen haben.

Der Anteil der Personen, die sich Gedanken über ihre persönlichen Finanzen gemacht haben? Zu klein.

Der Anteil der Personen, die Bücher so weit außerhalb ihrer Komfortzone lesen, und deren Leben dadurch verändert wird? Zu klein.

Der Anteil der Personen, die zumindest ein paar Youtube Videos zu einem Thema ansehen, das – und das ist jetzt schon absehbar – so viele Jobs ersetzen wird, dass es zu gesellschaftlichen Umwälzungen kommt? Zu klein.

Der Anteil der Personen, die ein kleines Sideprojekt haben, das mit wenig Aufwand einen ungleich höheren Payout haben könnte? Das antifragil ist? Viel zu klein.

Hier geht es nicht um heute oder morgen. Hier geht es um die nächsten 10 Jahre.

Hier also meine Frage an dich: Wie antifragil bist du?

Von Hackern, Wordpress, SEO & Co

  • Wo kommt mein Spam her?
  • Wie leicht ist es, eine Wordpress Seite zu hacken?
  • Wie Umzugsfirmen ihre Gaunereien mit SEO umsetzen

...wöchentlich in deiner Inbox! 🚀

2 Kommentare

    1. Das Buch geht natürlich viel weiter in die Tiefe (inkl. Mathematischer Formeln) und hat ein paar mehr interessante Insights zum größeren Thema Risiko. Aber das Prinzip der Antifragilität ist einfach hängen geblieben 🙂

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