2019-02-21 5 Minuten

Das Nilpferd das du siehst, wirft dein Boot nicht um

Es gibt Dinge, die lernt man einfach zum falschen Zeitpunkt. Und Projektmanagement ist definitiv eines davon. Vor Kurzem habe ich das IT-Projektmanagement-Buch aus meiner HTL-Ausbildung gefunden. Unglaublich, wie viel man eigentlich vergessen kann. Gut, das ist jetzt fast 10 Jahre her. Einige Dinge sind aber hängengeblieben, oder durfte ich inzwischen (sehr wahrscheinlich zum 2. Mal) … Continued

Es gibt Dinge, die lernt man einfach zum falschen Zeitpunkt. Und Projektmanagement ist definitiv eines davon. Vor Kurzem habe ich das IT-Projektmanagement-Buch aus meiner HTL-Ausbildung gefunden.

Unglaublich, wie viel man eigentlich vergessen kann. Gut, das ist jetzt fast 10 Jahre her. Einige Dinge sind aber hängengeblieben, oder durfte ich inzwischen (sehr wahrscheinlich zum 2. Mal) lernen.

Einer der Sprüche, der mir immer wieder mal im Kopf herumgeistert ist:

Das Nilpferd das du siehst, wirft dein Boot nicht um.

– Afrikanisches Projektmanagement-Sprichwort

Eigentlich bezieht sich dieser Spruch aufs Risikomanagement. Kann man aber auch viel größer sehen bzw. umkehren:

Die Risiken im Leben, die du überhaupt nicht am Radar hast, haben oft die schlimmsten Auswirkungen.

Nicht weil das eigentliche Ergebnis so schlimm ist, sondern weil dazu noch die Überraschung kommt.

Wobei dieses noble Sprichwort natürlich die Rechnung ohne die Fähigkeit des Menschen macht, unangenehme Dinge höchst gekonnt zu ignorieren:

Vor Allem in der heutigen Welt habe ich manchmal das Gefühl, dass die jeder das Nilpferd sehen kann, wir es einfach nur gekonnt ignorieren. Es wird schon friedlich vorbeischwimmen und uns nicht angreifen.

Dieses Nilpferd kann viele Namen haben, seien es Schulden oder die Digitalisierung.

Gegen das Nilpferd hilft dann nur eines:

Alle müssen mithelfen, ausnahmslos. Oder?

9 Frauen können ein Kind in 1 Monat liefern

Ein Projektmanager-Schmäh vom Feinsten. Nur weil mehr Ressourcen auf ein Projekt geschmissen werden, garantiert das keinen Abschluss des Projekts.

Und schon gar nicht eine schnellere Fertigstellung.

Nicht nur müssen sich die 9 Frauen darauf einigen, wer für welchen Part des Projektes verantwortlich ist – dazu kommt der Kommunikations-Overhead. Braucht 1 Frau 0 Kommunikation, so brauchen 9 Frauen sicher mindestens 10 Kommunikation (was für ein Satz).

Noch dazu kommt: existiert das Kind/Projekt im Prinzip, fängt der Aufwand erst an:

Die ersten 90% eines Projektes dauern 90% der Zeit. Die restlichen 10% dauern dann ebenfalls 90% der Zeit.

Wahrere Worte wurden selten gesagt. Seit ich in meiner Selbständigkeit Projektmanager und verantwortlicher Entwickler bin, hatte ich glaube ich kein einziges Projekt, wo die Endphase nicht mehr Aufwand benötigt hätte, als ich ursprünglich geplant habe.

Damit es ein wenig anschaulicher wird, habe ich eine Grafik vorbereitet:

Hier sehe ich gleichzeitig eine riesige Chance für alle Personen da draußen: diese letzten 10% zu liefern, ist ein massiver Wettbewerbsvorteil aus meiner Sicht.

Denn: leicht ist es nicht, diese letzten 10% auf den Boden zu bringen. Die interessanten Teile des Projekts stehen, es geht nur mehr um die Details. Das ist keine sexy Arbeit, aber sie ist nötig.

Hier geht es auch nicht mehr nur um Business-Probleme. Die Masterarbeit, das Side-Projekt, die Gewohnheit, die du unbedingt starten wolltest fallen genauso dieser Demotivation der letzten 10% zum Opfer.

Oftmals ist die erste Reaktion dann: die Sachen nur mehr halbherzig zu erledigen. Wird scho passen. Is eh 90% fertig, was willst du mehr?

Bei Programmierern sehe ich das oft: die technischen Herausforderungen sind gelöst, die Plattform funktioniert im Prinzip. Usability wird als etwas Niederes gesehen. Ist ja keine Tätigkeit, in der man seine algorithmische Überlegenheit zur Schau stellen kann.

Nur: keiner will deine hässliche Plattform verwenden.

So sehr ich ein Fan des Pareto-Prinzips bin, muss ich auch sagen:

Die letzten 10% sind die, die zählen. Hier wird die Spreu vom Weizen getrennt.

Wie man ein Projekt fertig bringt:

Und damit ich hier nicht nur herumsudere, gleich ein paar Tips, wie ich die letzten 10% eines Projektes angehe:

  • In kleine Aufgaben aufteilen: die letzten 10% haben so etwas unbestimmtes. Es ist da, man weiß nur nicht was genau es ist. Hier gehe ich das Projekt durch und mache eine Liste an möglichst kleinen, leicht verdaulichen Häppchen, die noch erledigt werden müssen. Die Motivation, einen kleinen Happen zu erledigen ist schneller da, als wenn auf der Todo-Liste “Masterarbeit fertig schreiben” steht.
    Dieser Schritt kann vollkommen getrennt von der eigentliche Erledigung sein. Es geht nur darum, dass kleine Arbeitspakete entstehen.
  • Nimm dir die Zeit: leichter gesagt als getan, aber irgendwann muss man sich damit beschäftigen. Deadlines helfen hier. Verpflichte dich zu mindestens einem Item von der Todo-Liste.
  • Die kleinen Happen zuerst: Innerhalb einer Session beginne ich mit den kleinsten Paketen. Die sind oft nur wenige Minuten Aufwand, bringen mich aber in einen Geisteszustand, wo die Chance auf weiterführende Motivation größer ist. Man braucht keine Motivation um anzufangen, sondern Motivation entsteht, wenn man beginnt. Meist komme ich dann viel weiter, als ich ursprünglich vor hatte.
  • Eine andere Situation: Ich habe es in einem Artikel zur Deep Work schon mal erwähnt – Bringe dich in eine Situation, wo es möglichst wenige Störungen gibt. Ich verlange von dir nicht, am Wochenende zu arbeiten, aber in meinem Business ist das Wochenende eigentlich die einzige Zeit, wo ich (beim Programmieren) wirklich etwas weiterbringe.
  • Tu, was getan werden muss: Das ist der härteste Part an der ganzen Phase. In meinen Webseitenprojekten ist das die “diese Font ist 1px zu groß”-Phase. Es wäre eine Lüge zu behaupten, dass mir diese Phase großen Spaß macht. Aber sie ist wichtig. Daher nutze ich sie, um mich von anderen zu unterscheiden. Die Extrameile quasi.

Fazit

Projektmanagement ist wie Kommunikation: nur weil mans studiert oder gelernt hat, kann mans noch lange nicht.

Das sind alles eher “naja, eh klar”-Dinge, die in der Theorie eindeutig sind, in der Praxis – wenn es dann hart auf hart kommt, oder um einen selbst geht – irrsinnig schwierig werden.

Vielleicht sollte ich das Projektmanagement-Buch auch lesen, nicht nur überfliegen. Es könnte ja die eine oder andere Lebensweisheit drin versteckt sein.

Von Hackern, Wordpress, SEO & Co

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4 Kommentare

  1. YES! Voll auf den Punkt gebracht.
    Besser hätte ich es – nach 40 Jahren im Automatisierung-Projektmanagement und nun auch wieder Steuerungs-Softwareerstellung – nicht ausdrücken können!

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