2018-01-04 10 Minuten

Digitales Personal Branding

Mit Online Identity Management deine Marke besser kommunizieren können.

In meinem ersten Job habe ich über Monate ein Projekt programmiert, auf das ich sehr stolz war.

Nach dem Abschluss dieses Projektes hatte ich die Aufgabe, ein Tool auszuprobieren. Ein Tool, das Gewitterwolken anzeigt, wenn etwas mit der Programmierung nicht stimmt.

Und eine wunderschöne Sonne, wenn alles einwandfrei funktioniert.

So schnell konnte ich gar nicht schauen, standen um meinen Bildschirm mehrere Führungskräfte, die das “Wetter” in diesem Tool bewundern. Mein supertolles vorheriges Projekt wurde nicht so mit Lorbeeren überhäuft.

An diesem Tag habe ich mehrere Dinge gelernt.

  • Manager lieben Dashboards
  • Egal wie hoch du deine Skills gelevelt hast – der Großteil der Menschen (oft schon eine Hierarchiestufe über dir) versteht deine geleistete Arbeit nicht im Detail
  • …oder hat kein Interesse daran, sich in deiner Arbeit auszukennen. Ein Projektmanager muss nicht meinen Algorithmus ins Detail kennen, er muss mich managen.

Dieses Erlebnis hat wahrscheinlich den Grundstein für diesen Blog gelegt.

Dein auf 100 gelevelter Sales-Text-Skill bringt dir ohne die richtige Präsentation nur einer sehr engen Gruppe etwas.

Mein Programmierskill wird (wenn ich ihn nicht auf ein weiter verständliches Level herunterbrechen kann) nur in der Developer-Bubble Anerkennung finden können.

Was hat das jetzt mit dir zu tun?

In einer Studie wurde herausgefunden, dass

  • 57 % der HR-Manager sehen die Chance niedriger, auf ein Gespräch eingeladen zu werden, wenn der Kandidat online nicht gefunden wird.
  • 54 % der HR-Manager haben entschieden, einen Kandidaten aufgrund eines Social Media Profils nicht zu nehmen.
  • Die Hälfte der Chefs checken die Social Media Profile der aktuellen Mitarbeiter
  • 70 % der HR Manager suchen die Kandidaten im Internet

Okay.

Das bedeutet für uns:

  • nicht gefunden werden ist keine Option
  • Social Media muss richtig gemacht werden
  • Die 1. Seite auf Google ist dein neuer Lebenslauf

Online Identity Management

ist der Fachbegriff für diesen Teilbereich der Markenführung.

Ziel ist es hier

die verschiedenen Plattformen, auf denen man unterwegs ist, so zu managen, dass ein stimmiges, möglichst positives Gesamtbild entsteht.

Ich erweitere dies noch gerne um den Zusatz:

… und dominiere die gesamte erste Seite auf Google mit Suchergebnissen, die du (a) selbst unter Kontrolle hast oder (b) in deine Marke einzahlen.

Für mich hat das Online Identity Management zwei Teilbereiche.

Da ist zum Einen die passive Seite. Das ist der “1 mal den Aufwand machen, 1mal im Jahr aktualisieren”-Part. Aber auch hier gibt es sehr viele Möglichkeiten und Fallen, die es zu umschiffen gilt.

Auf der anderen Seite haben wir das aktive OIM. Hier geht es darum, aktiv Dinge zu erschaffen, die gefunden werden und deiner Marke mehr Reichweite oder Recognition schaffen.

Springen wir direkt rein:

Die Passive Online Personal Brand

Hier sehen wir uns an, wie man möglichst schnell und mit möglichst wenig Aufwand die Grundlagen der Personal Brand auf die Beine stellt.

Hinweis: dies ist glaube ich der einzige Part im Internet, wo es sich auszahlt, einen spezielleren Namen zu haben. Solltest du einen häufigen Namen haben, werden einige dieser Maßnahmen für dich wegfallen. LinkedIn und XING zum Beispiel fassen die Suchergebnisse so zusammen:

Schritt 1: Google dich selbst

Zuerst kommt immer die Analyse. Google deinen Namen (Link) und sieh dir die Suchergebnisse an.

Hier stellen wir uns die Fragen:

  • Sind das Profile, die du selbst beeinflussen kannst?
  • Sind Profile dabei, die besser gelöscht gehören?
  • Ist das Ergebnis das, was mein zukünftiger Arbeitgeber finden soll?

Bei mir finden sich hier

  • kein Profil, das ich sofort löschen muss (außer vielleicht das Trello-Profil. Keinen Plan, was das in den Ergebnissen zu suchen hat)
  • viele Seiten, die ich selbst kontrolliere
  • meine Social Media Profile
  • ein paar Telefonbuch-Einträge (die sehe ich neutral)

Next:

Schritt 2: leg alle Profile an

Auf Google dauert es oft Monate, bis eine Webseite unter den Top 10 gereiht ist.

Mit diesem Schritt kannst du die Popularität bekannter Plattformen nutzen, ohne großen Aufwand zu betreiben.

Das heißt:

  • Twitter
  • Facebook
  • Instagram
  • XING
  • LinkedIn
  • Google+
  • Flickr

Hier müssen es natürlich nicht alle Profile sein, aber zumindest LinkedIn und XING würde ich definitiv anlegen. Diese Profile doubeln als Online-Lebensläufe und sind generell in einem Business-Kontext angesiedelt.

Je nach Job ändert sich die Auswahl dieser Plattformen natürlich. Als Fotograf kann ein Flickr oder Instagram-Account sinnvoll sein. Und auch für Pinterest gibt es sicher einen Weg, wie du die Plattform für deine persönliche Marke verwenden kannst.

Achtung: leg nur Profile an, die dann auch tatsächlich befüllt werden. Wenn ich einen Online-Marketer einstellen will, dessen letzter Post vor 7 Monaten war, wird mir das sauer aufstoßen.

Schritt 3: Pflege deine Profile

Mehrmals im Jahr – oder wenn es etwas Neues gibt – solltest du all deine Profile aktualisieren. Vor Allem bei den Business-Profilen auf LinkedIn und XING werden sich sicher einige Projekte oder Skills finden, die du nachtragen kannst.

Entferne alte Arbeitgeber, und achte darauf, ein fokussiertes Profil zu zeigen.

Die 10 Nebenprojekte aus dem Studium sollten mit fortschreitender Karriere irgendwann am unteren Ende deiner Liste hinausfallen. Eine Person, die nach 10 Jahren noch die Studentenprojekte prominent zeigt, ist mir eher suspekt. Hat der/die inzwischen nichts erreicht?

Schritt 4: entferne alte Posts und peinliche Fotos

Früher hatten wir bei Facebook nur unsere engsten Freunde. Da war es dann auch eher egal, wenn die Sauffotos vom Wochenende dort zu finden sind.

Inzwischen ist der Facebook Account wahrscheinlich rasant gewachsen. Und die alten Posts wurden nie entfernt.

Lange Rede kurzer Sinn: so einen Post möchte ich bei keinem meiner Leser jemals finden müssen!

Schritt 5: professionelle Fotos

Hier geht es nicht darum, dass du in Anzug oder Kostüm am Foto zu sehen sein musst. Sondern darum, dass dein Foto zu dir passt. Hier gilt es, die jeweilige Plattform richtig zu nutzen.

Das heißt: das Kletterfoto vielleicht nur auf Facebook. Generell finde ich es gut, wenn auf jeder Plattform das gleiche Foto verwendet wird. Das zeigt, dass jemand (a) die Materie versteht, und (b) sich Gedanken gemacht hat.

Wo du aber niemals Kompromisse eingehen solltest, ist bei der Qualität der Fotos. Beleuchtung, Pose und so weiter.

Wenn ein Bild mehr als tausend Worte sagt, warum hast du einen Sauf-Selfie als Profilbild?

Schritt 6: Die eigene Webseite

Das klingt jetzt mal nach viel Aufwand – im Prinzip geht es mir aber nur darum, dass man sich den eigenen Namen als Domain sichert.

Dahinter kann dann stehen, was will. Ob das eine 100% Custom WordPress Seite ist, oder eine Squarespace Page mit einer Übersicht über deine sozialen Profile ist dann eher egal. Sogar aufs LinkedIn Profil weiterleiten sehe ich hier als gute Option.

Aber warum macht das Sinn?

  1. Man weiß ja nie. Lieber den Domainnamen früher sichern als später. (Mir wurden haunschmid.at und haunschmid.com verwehrt, weshalb ich auf eine .tech Domain umgestiegen bin)
  2. Für den eigenen Namen rankt man sehr schnell ganz oben.

Außerdem kannst du mit einer Webseite sehr schnell mit dem aktiven Personal Brand Management beginnen.

Fazit

Die meisten dieser Schritte sind eigentlich an einem Nachmittag erledigt (außer du musst 5 Jahre Facebook Posts löschen, das dauert).

Zur Wiederholung:

Beim passiven Online Identity Management geht es darum, alle möglichen Kontaktpunkte “unter Kontrolle zu bringen”, sodass du nicht eineR der 54% wirst, die aufgrund eines Internetprofils abgelehnt wurden.

Aktives Online Identity Management

Jetzt wird es interessant. Im Prinzip geht es bei der aktiven Personal Brand darum, deine Ansichten und dich selbst zu kommunizieren.

Das machen wir zwar eh ständig (man kann nicht nicht kommunizieren, danke Watzlawick!), aber hier passiert es kalkuliert.

Alles, was du da raus gibst, bezeichne ich hier als Content. Egal, ob das jetzt Instagram Posts sind, oder ein 2.000 Wörter Blogartikel über Identity Management.

Was ist deine Story?

Menschen lieben Geschichten. Und jeder hat seine eigene Story, die er Anderen (und sich selbst) erzählt.

  • Bist du der Student, der sein Studium zugunsten des Bundeskanzlerpostens aufgegeben hat?
  • Bist du der Hustler, der sich von ganz unten nach ganz oben grindet?
  • Bist du der Abenteurer, der work hard, play hard Mensch?

Vor Allem in den sozialen Medien ist es wichtig, deine eigene Story zu haben.

Soziale Medien

Dieser Punkt unterscheidet sich zum Passiven “Lege Accounts an” darin, dass die jeweilige Plattform aktiv bespielt wird.

Bei den sozialen Medien ist es wichtig, den richtigen Kanal zu finden. Für mich als Programmierer kann Instagram nie zu so einem starken Instrument werden, als es vielleicht mein Blog oder der Facebook Account ist.

Wenn du Part-Time-Influencer bist, sieht die Sachen vielleicht schon ganz anders aus.

Aber eines vorweg: Social Media ist aufwändig. Wenn du ernsthaft Social Media betreiben willst, musst du es auch durchziehen.

Hier hilft das Mantra von Gary V.:

Document, don’t create

Damit kannst du Social Media definitiv viel besser in den Alltag integrieren. Das Schreiben dieser Zeilen hat mich gerade dran erinnert, noch kurz einen Instagram Post zu machen.

Aber wenn die sozialen Medien fürs dokumentieren da sind, was ist mit dem create?

Blog

Mir ist klar, dass ein Blog viel Aufwand ist, und dass es oft nicht einmal wirklich Sinn macht, einen kompletten Blog aus dem Boden zu stampfen.

Deshalb werde ich den eigenen Blog auf der eigenen Webseite in diesem Guide mal außen vor lassen.

Dennoch:

Blogartikel und Opinion Pieces sind ein hervorragender Weg, seine eigene Personal Brand zu erweitern.

Gut dass wir im Jahr 2018 leben und es viele Möglichkeiten gibt, wie du zumindest einmal ein bisschen Bloggerluft schnuppern kannst.

Medium und Co

Ich bin echt fasziniert von Medium. Man kann sich einen Account erstellen und sofort beginnen zu schreiben.

Deshalb finde ich die Plattform ideal für jemanden, der mit wenig(er) Aufwand einen Artikel ins Internet stellen will.

Wichtig: wir wollen, dass dein Medium Artikel auf Google zu finden ist. Also nicht mit deinem Gaming-Nickname registrieren.

Gut. Aber worüber schreiben?

Das kann im ersten Schritt eine sehr schwierige Frage sein. Vor Allem, wenn du nicht gewohnt bist, etwas von dir Erschaffenes zu veröffentlichen.

Was immer gut funktioniert – und sich oft wie von selbst schreibt sind:

  • Meinungen (“Warum der Bundestrojaner nicht funktionieren wird”)
  • Walkthroughs (“Wie ich eine Word of Mouth Kampagne geplant habe”)
  • Lessons learned (“Was ich in 2 Jahren internationaler Arbeit gelernt habe”)

Was hier auffällt: du musst nicht einmal eine Koryphäe auf dem jeweiligen Gebiet sein, hier geht es um persönliche Erfahrungen und Geschichten.

Na klar, wahrscheinlich gibt es schon hunderte Guides, die genau das Selbe Thema behandeln. Aber hier geht es um deine Online Identität – hier ist der Zugang ein anderer.

Wir wollen, dass die Artikel gefunden werden, wenn Personen dich suchen wollen.

Wenn du gefunden werden willst, wenn man “Online Marketing” googelt, verlassen wir das “normale” Identity Management. Da brauchst du dann sehr schnell einen eigenen Blog, professionelles SEO und einen Haufen Zeit dafür.

LinkedIn

Eine weitere Möglichkeit ist das LinkedIn Publishing. LinkedIn hat eine Funktionalität geschaffen, wie in der Plattform selbst Blogartikel verfasst werden können. Mit Titelbild und alles.

Die Funktion findet sich unter „Artikel schreiben“

Das heißt du brauchst eigentlich keine eigene Webseite, keinen weiteren Account.

Dieser Artikel kann direkt innerhalb von LinkedIn geteilt, geliked und kommentiert werden.

Berichterstattung in Online-Medien

Medien (v.a. die klassischen) ranken wirklich hervorragend auf Google. Solltest du es also irgendwie schaffen, dass du in einem Artikel erwähnt oder interviewt wirst, wird dieser Artikel sehr schnell in den Top 10 der Suchergebnisse zu finden sein.

Wie man dazu kommt? Das ist dann eigentlich klassische PR. Und damit kenne ich mich wenig aus. Hat eigentlich auch wenig mit Online zu tun.

Wenn du hier Inputs hast, bitte gerne an contact@martinhaunschmid.com, ich würde dieses Kapitel sehr gerne erweitern.

Zurück zu dir

In diesem Guide habe ich einige Möglichkeiten behandelt, wie du mit wenig oder viel Aufwand deine eigene Online Identität managen kannst. Dieses Management ist ein laufender Prozess, sowas passiert nicht von Heute auf Morgen. Aber er wird in Zeiten der Digitalisierung immer wichtiger.

Hast du bereits Schritte geplant, wie du deine Online Identität managen willst? Hast du Fragen oder Anregungen zu einzelnen Kapiteln oder Kanälen?

Zögere nicht, mir unter contact@martinhaunschmid.com zu schreiben. Gerne ergänze ich diesen Artikel um deine Ideen!

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