2018-02-01 5 Minuten

Down the rabbit hole: Black Hat SEO

Die dunkle Seite des SEO.

In meinem letzten “Down the rabbit hole”-Artikel habe ich versucht, ultra-spezifischem Flugsimulator-Spam nachzugehen.

Aus aktuellem Anlass ist es Zeit für eine neuen Post in dieser Serie.

Vorhang auf für unser heutiges Subjekt: Umzugsfirmen.

Das Geschäftsmodell

Der Umzug an sich ist ja eine psychische Extremsituation. Man packt das gesamte Leben in ein Auto, und baut es wo anders wieder auf.

Kein Wunder, dass man sich diesen Vorgang so einfach wie nur möglich gestalten will.

Und was macht man in diesem Fall?

Google.

Und da wimmelt es von super Angeboten.

Die Realität sieht aber oft anders aus:

Wir selbst hätten genau diese Firma für unseren Büroumzug gewählt, nur auf Warnung eines Freundes habe ich überhaupt erfahren, welche Gauner das sind.

Und einen Umzug mit Polizeieinsatz, wie vom ORF empfohlen, will ich dann auch nicht.

Aber das hier ist ein Tech-Blog, und ich bin nicht zum sudern hier. Deshalb habe ich mir angesehen, wie diese Firmen im Internet agieren.

Also:

Wie man eine Gauner-Firma im Internet bekannt macht.

Vorbei sind die großartigen Zeiten, wo Konsumenten keine Stimme hatten. Das Internet hat unseren Umgang mit Unternehmen drastisch verändert.

Wir haben Review-Seiten, hunderte Rezensionen für einen Griller und wir haben Google, an das wir jegliche Recherche auslagern können.

Aber:

Gleichzeitig bilden sich wirklich interessante Geschäftsgebiete aus. Und die boomen.

Aber der Reihe nach.

Der erste Schritt ist natürlich:

Die Webseite

So sieht die Traffic-Verteilung für eine Webseite einer bekannten Umzugsfirma aus:

Wie wir sehen, bekommen die einen Großteils ihres Traffics (sprich potenzielle Kunden) über Suchmaschinen.

Da die Webseite der Ort ist, wo wir unser Geld verdienen werden, muss die gut sein.

Und das funktioniert heute ja schon ziemlich schnell. WordPress, irgendein Theme dazu, und geht schon.

Vorsicht: Hier dürfen wir uns nicht zu viel Aufwand machen. Sollte es nämlich bekannt werden, dass wir nicht so tolle Geschäftspraktiken anwenden, müssen wir uns ja unter anderem Namen neu gründen.

Haben wir die Webseite, brauchen wir eigentlich nur noch Traffic.

Wie kommt die Firma oben zu 83% Traffic von Google? Durch langfristige SEO Strategie?

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Black Hat SEO

Black Hat kommt aus dem Hacker-Jargon und bezeichnet jemanden, der auf der dunklen Seite der Macht steht.

Das Black Hat SEO verwendet Taktiken, die eben nicht auf den best-practices von Google beruhen.

Heißt:

  • keine langfristige Investition in qualititativen Content
  • Keine guten Links generieren
  • keine “Marke” aufbauen.

Black Hat SEO Taktik 1: Links kaufen

Das hier ist das sogenannte Linkprofil einer der Top-Umzugsfirmen Österreichs. Diese Webseiten verlinken auf unsere Umzugsfirma:

Der Großteil dieser Links scheint mir gekauft zu sein. Seiten wie linkdino.de versuchen nicht einmal, ihr Geschäftsmodell zu verstecken.

Nur: das ist natürlich gegen Google Webmaster Richtlinien. Wird dies entdeckt wird über Nacht der organische Traffic der Seite gekillt.

Entdeckt man so eine Seite, kann man die bei Google melden. Ich war mal so frei und habe das getan.

Black Hat SEO Taktik 2: ein eigenes Netzwerk an Webseiten

Ich bin mir nicht sicher, ob diese Taktik als “Black Hat” einzustufen ist. Aber White Hat ist sie sicher nicht.

Das hier sind die Backlinks einer weiteren bekannten Umzugsseite:


Das sind drei Webseiten, die alle ein vollkommen unterschiedliches Auftreten haben.
Sogar das Impressum ist unterschiedlich.
Sieht man sich aber an, wem diese Domains gehören, führen alle Wege zu diesem Herrn:

Auf Anhieb habe ich 4 Webseiten in seinem Netzwerk gefunden. Wahrscheinlich sind es mehr.

Das ist natürlich geil: sollte eine der Webseiten von Google abgestraft werden, bleiben die anderen eventuell sogar bestehen.

Aber gut. Zählt meiner Meinung nach trotzdem in die Kategorie “Verarschung von Konsumenten”.

Spinnen wir diese Taktik noch weiter, kommen wir zu:

Black Hat SEO Taktik 3: PBNs

Ein PBN ist ein private blog network.

Im White-Hat SEO geht es ja darum, möglichst gute Links von guten Webseiten zu erhalten.

Mit dem PBN macht man sich diese Links einfach selbst.

Da werden 10-20 Domains aufgekauft, und mit eigenen Blogs versehen. Das klingt aufwändig, ist aber in Wirklichkeit schnell erledigt.

Diese Blogs sind nicht für menschliche Leser vorgesehen. Auf denen befindet sich einfach billiger, qualitativ schlechter Content, der nur für Links auf unsere Hauptseite da ist.

Diese Artikel enthalten sogar Links zu Wikipedia-Artikeln für alltägliche Wörter. Nur damit sie für Google so aussehen, als wären es “echte” Blogartikel.

Das Ganze hat den Vorteil, dass wir uns nicht um Links von anderen Seiten bemühen müssen. Dafür müssten wir ja etwas Interessantes zu sagen haben.

Der Nachteil: entdeckt Google unser PBN, wird es gesperrt, und wir werden wieder dorthin verwiesen, wo wir eigentlich hingehören. Auf die x-te Seite der Suchergebnisse.

Fazit

Was, wenn man den ganzen Aufwand in ein gutes, faires und transparentes Angebot stecken würde? Absurd, ich weiß.

Vielleicht verlange ich auch zu viel.

Unser Umzug ins neue Büro ist glücklicherweise ohne Polizeieinsatz über die Bühne gegangen.

Hast du schon Erfahrungen gemacht mit ähnlichen Firmen? Schreib mir, dann gibt es vielleicht einen eigenen “Down the rabbit hole”-Artikel dazu. ☺️

Von Hackern, Wordpress, SEO & Co

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