2019-11-14 5 Minuten

Gehört dir dein Handy (oder dein Traktor) eigentlich wirklich?

Gehören uns unsere Geräte eigentlich wirklich? Oder müssen wir in Zukunft unsere eigenen Devices selbst hacken?

Was war dein erstes Smartphone? Bei mir war es ein Samsung Galaxy S. Damals waren noch keine zweistelligen Zahlen hinter der Modellbezeichnung zu finden. Good Times.

Irgendwann ist das Ding aber ziemlich langsam geworden. Nicht nur, weil ich jede App installiert habe, die ich finden konnte, sondern vermutlich auch aufgrund der Art, wie Android Updates funktionieren: Die müssen vom jeweiligen Hersteller nämlich nachgezogen werden.

Dass Google eine Sicherheitslücke oder sonstigen Fehler behoben hat, heisst noch laaaange nicht, dass dieser Fix am Android Gerät jemals ankommt.

Also was tun? Auf den Werkszustand zurücksetzen? Die Samsung-Apps bleiben ja trotzdem noch drauf (1x Google Kalender, 1x Samsung Kalender).

Jemandem, der regelmäßig seinen Desktop aufräumt, ist das natürlich ein Dorn im Auge.

Eigentlich möchte ich ein möglichst schnelles Android, ohne Bloatware (sinnlose Software, die eigentlich nur das Handy “aufbläht”).

Mir wird klar:

Müssen wir neu aufsetzen

Beim Computer ist es ein Leichtes: Wir können beliebige Betriebsysteme aufspielen – die Hardware gehört uns, und wir können damit tun, was wir wollen.

Beim Smartphone ist das anders:

Hier sind wir als Käufer nur stinknormale User. Die Administratorrechte bleiben uns verwehrt.

Warum?

Nun, für Privatuser hat das durchaus Vorteile:

  1. Braucht man als Durchschnittsuser keinen Admin-Zugriff
  2. Erhöhte Sicherheit – wer keinen Admin-Zugriff hat, kann keinen Blödsinn anstellen
  3. Besseres Security-Konzept für Apps: Auch wenn mal eine schädliche App installiert ist, kann die nicht so viel Schaden anrichten

So weit so gut.

Aber was, wenn – wie in meinem Fall – das Handy durch ein Update extrem langsam wird? Oder ich eine anderes, sichereres Betriebssystem aufspielen will?

Dann wirds schwierig. Wir müssen in diesem Fall uns selbst zum Admin machen – ein Prozess, der rooten genannt wird.

Auf Linux-Systemen heißt der Admin-Account meist root.

Nicht ungefährlich

Das zu tun bleibt natürlich nicht ohne Folgen. Oft erlischt die Garantie, oder das Gerät wird ganz kaputt. Bei meinem Handy hatte ich Glück, es hat alles funktioniert. Ich hatte dann ein Android, auch ganz ohne die Überwachung von Google. Geil.

Das damals waren aber noch andere Zeiten. Heute ist es inzwischen viel schwieriger geworden, Administrator am eigenen Gerät zu werden. Vor Allem um Apple-Devices ist es ruhig geworden.

Bis vor wenigen Wochen.

Da hat ein Hacker namens Axi0mX einen sogenannten Jailbreak (dt. Gefängnisausbruch) veröffentlicht, und ihn checkm8 (checkmate, also Schachmatt) getauft.

Diese Sicherheitslücke kann auf hunderten Millionen Apple-Geräten ausgenutzt werden. Um eben Administrator am eigenen Handy zu werden. Oder anderen Personen Schadsoftware unterzujubeln.

Und das Beste: Sie kann durch kein Update behoben werden.

Bevor jetzt Panik ausbricht: Man braucht physischen Zugriff aufs Handy. Das geht nicht übers Internet. Auch sind die tatsächlichen Möglichkeiten noch begrenzt. Checkm8 ermöglicht aber einige interessante Dinge.

Die Jailbreak-Szene jubelt: Endlich wird man am eigenen iPhone

  1. Auf alte iOS Versionen downgraden
  2. Andere Betriebssysteme als iOS aufspielen
  3. Apps aus alternativen App-Stores installieren

können.

Auch die Geheimdienste jubeln: Endlich kann man auf anderen iPhones

  1. Admin werden
  2. Überwachungssoftware aufspielen
  3. Daten extrahieren

Bevor hier gleich noch einmal Panik ausbricht: Checkm8 ist nach einem Neustart des Gerätes wieder inaktiv. Wenn du also in irgendeinem Regime auf Urlaub bist, und dein Handy am Flughafen für ein paar Minuten aus den Augen verlierst… vielleicht einfach mal neu starten. Kann nicht schaden.

Du wirst dich vielleicht nun fragen: Warum? Warum brauche ich einen alternativen App Store?

Wirklich brauchen werden ihn sowieso nur Tech-affine Personen, die sich tatsächlich den ganzen Aufwand machen.

Das Thema ist aber größer als ein paar Techies. Unterstützung kommt hier absurderweise von Amerikanischen Bauern.

Traktoren hacken

Mein erstes Auto hatte irgendein Softwareproblem. Ein falsch gemeldeter Wert hat die Software dazu veranlasst, den Motor bei voller Fahrt auf der Autobahn bei 1000 Umdrehungen abzuriegeln.

Nachdem ich am Pannenstreifen zu stehen gekommen bin, machte ich genau das, was ein IT-ler machen würde:

Das Ding neu starten.

Der Fehler war zwar weg, aber durch die nachfolgenden Sessions in der Werkstatt durfte ich erfahren, wie viel Software sogar in dieser alten Schüssel verbaut war.

Bei Traktoren ist das inzwischen nicht anders. Der erste Diagnoseschritt ist nicht mehr physisch nach einem Problem zu suchen, sondern eine Diagnosesoftware laufen zu lassen.

Das an sich ist noch nichts verwerfliches. Nur hat der Traktorhersteller John Deere es ein wenig übertrieben.

Die haben 2017 via Vertrag “unauthorisierte” Reparaturen verboten. Heißt: Man muss zur offiziellen John Deere Werkstatt fahren, egal wie weit weg diese ist.

Hier wird es wirklich absurd:

Man kann zwar schon zu einer normalen, privaten Werkstatt fahren – nur wird der Traktor nicht mehr funktionieren. Du kannst das Getriebe austauschen, aber der Traktor kann trotzdem nicht mehr aus der Werkstatt fahren.

Warum?

Weil ein John Deere Techniker für 230 Dollar (ohne Fahrtzeit) das Teil auf deinem Traktor freischalten muss.

Lassen sich die Bauern das gefallen?

Eher nicht. Sie machen das, was jede Person mit Hausverstand machen würde:

Sie organisieren sich in Online-Foren und verwenden von Ukrainern freigeschaltene, inoffizielle Software für ihre Traktoren. Sie hacken ihre Traktoren.

Damit man in so ein Forum kommt, muss man einen Dummy-Adapter in einem Onlineshop bestellen. Statt dem Teil bekommt man die Einladung ins Untergrund-Traktor-Hacking-Forum. Die Geschichte von VICE kann ich nur jedem empfehlen.

Das Recht auf Reparatur

Ich verstehe natürlich, dass man auf dem Smartphone dem Großteil der User einfach keine Admin-Rechte geben kann. Auch sind Smartphones eher Konsumgüter, die meist nach wenigen Jahren ausgetauscht werden.

Aber was, wenn man das nicht will? Wenn man aus dem “mit jedem Update wird mein Gerät langsamer”-Loop aussteigen will?

Bei Traktoren ist es noch schlimmer. Der wird gekauft, damit er Jahrzehnte seine Dienste verrichtet.

Was, wenn John Deere in 15 Jahren die alten Modelle nicht mehr mit Updates versorgt? Bleibt dann den Bauern nichts anderes mehr übrig, als zu Hackern zu werden?

Von Hackern, Wordpress, SEO & Co

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3 Kommentare

  1. WIR WERDEN VON VERBRECHERN UND GAUNER REGIERT & GEGÄNGELT – VON DER WIEGE BIS ZUR BARE WIRST DU PAUSENLOS ÜBERWACHT – DIE ZUKUNFT WIRD ZUM VIASKO – DIE WERDEN NOCH IN DIE URNE SCHAUEN OB DU WIRKLICH DA DRIN LIEGST.

  2. Dass die Geräte langsamer werden, ist zumindest am iPhone nicht nachvollziehbar. Ich habe neben einem XR auch ein 6S und natürlich haben beide die letzte iOS Version drauf. Auch das 6S ist sehr flott, obwohl gerade auf dem sehr viele Apps drauf sind.

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