2017-09-12 5 Minuten

Orwell, T-Mobile und Netzneutralität

Was Netzpolitik mit deinem Leben zu tun hat.

Was Netzpolitik mit deinem Leben zu tun hat

8 Uhr

in der U-Bahn. Alle schauen ins Handy. Muss ich wohl auch. Ich starte Pandora, meine Musik-Streaming App. Ahso – shit. Das kostet mich Datenguthaben. Nehm ich lieber Spotify, das ist bei meinem Tarif dabei. Eigentlich ist Pandora viel innovativer, daugt mir mehr. Haben auch eher unbekannte Bands. Aber was will man machen, Geld ist Geld.

9 Uhr

endlich in der Arbeit. Hinsetzen, Rechner an. Erstmal Facebook, dann Nachrichten. What the… nicht erreichbar!? Dass kinox.to und movie4k.to gesperrt sind versteh ich ja – das sind Raubkopierer. Aber Nachrichten? Das ist neu.

18 Uhr

Zeit zu gehen. Aber nach Hause kann ich eigentlich nicht. Da geht heute die Route einer Demonstration vorbei. Mit denen will ich nicht identifiziert werden. Per Brief bin ich gewarnt worden, mich in der Nähe aufzuhalten. Oder besser – ich soll vermeiden, dass mein Handy in der selben Mobilfunkzelle der eventuellen Tunichtgute ist. Man kommt schneller auf a Liste, als ma “Überwachung” sagen kann. Na gut, lass ich das Handy in der Arbeit liegen.

Alles schon gewesen.

Das hier ist kein Zukunftsszenario, sondern der feuchte Traum (auch vieler westlicher) Regierungen. Das arge ist, all diese wurden in Österreich schon versucht. Und wir müssen höllisch aufpassen, dass wir uns hier nicht selbst ans Messer liefern.

Netzneutralität ist ein schlechtes Wort

Es erweckt Desinteresse sondergleichen. Dabei ist es eigentlich einfach:

Die Daten eines jeden Dienstes müssen gleichbehandelt sein. Punkt. Keine Drosselung, keine Bevorzugung.

Ansonsten droht die Verzerrung des Wettbewerbs. Wie kann ich z.B. gegen Netflix Konkurrenz aufbauen, wenn ich gedrosselt werde?

Comcast

Netflix wurde “zufällig” immer langsamer. Bis sie bezahlten.

Der amerikanische Internetprovider hat den Zorn vieler User auf sich gezogen. Comcast hat absichtlich den Traffic von Netflix gebremst und so den Wettbewerb beeinflusst.

Inzwischen zahlt Netflix mehrere Millionen an Comcast, damit die User überhaupt die Geschwindigkeit bekommen, für die sie sowieso bezahlen!

Die kleinen Streaming-Anbieter können sich das nicht leisten – statt lebendigem Wettbewerb gibt’s Monopole.

Finde den Fehler. Der Protest gegen Comcast nahm …sonderbare Formen an.

T-Mobile und Drei

Auch in Österreich war es so weit. Drei hatte einen Tarif, bei dem die Daten von Spotify nicht zum Datenverbrauch zählen.

Das schaltet effektiv die Konkurrenten Pandora und Co aus, für deren Datenverbrauch man bezahlen müsste.

In Amerika versucht T-Mobile mit einem Pokemon-Go Tarif User zu gewinnen.

Jajaja, Netzneutralität ist wichtig. Aber was kann ich tun?

  • Schritt 1: keine Produkte/Tarife kaufen, die gegen die Netzneutralität verstoßen
  • Schritt 2: den richtigen Accounts folgen (z.B. @socialhack)
  • Schritt 3informiert bleiben – zum Beispiel über meinen Newsletter.
  • Schritt 4: ?????

Netzsperren

DNS-Sperre

Türkei, Ägypten, Großbritannien, Österreich. Alle haben schon versucht, Teile des Internets zu sperren. Die einen wollen damit offen politische Gegner oder Demonstrationen unterdrücken.

Die anderen schaffen sich unter dem Vorwand der Terror- oder Pirateriebekämpfung ein Mittel, um den Internetzugang der Bevölkerung zu beeinflussen.

Ich sage nicht, dass Terror oder Kinderpornografie nicht bekämpft werden sollten. Aber hier müssen wir aufpassen, nicht emotional zu reagieren und uns selbst auszuliefern.

Der Patriot Act wurde auch ein Monat nach 9/11 implementiert, als die Angst der Bevölkerung noch tief saß. Gebracht hat es den größten Überwachungsskandal den es jemals gab.

In Österreich wurden bisher nur Seiten wie kinox.to und movie4k.to gesperrt. Aber uns fallen bestimmt einige zukünftige Szenarien ein, in denen Netzsperren eine Rolle spielen könnten.

Ich will nicht, dass mein Internet zensiert wird!

Ihr seid doch alle kriminell – die umgekehrte Unschuldsvermutung.

Die in der Geschichte oben beschriebene Vorratsdatenspeicherung wurde – immerhin – vom EuGH gekippt. Aber das Szenario kann so passieren:

  • Ein krimineller Akt passiert.
  • Die Ermittler erhalten eine Liste an Mobilgeräten, die zum Zeitpunkt der Tat in der Nähe waren.
  • Oha – diverse Unschuldige sind jetzt auf der Liste an Verdächtigen.
  • Am Tag darauf klopft die Polizei an die Tür der „Verdächtigen“, die nun ihre Unschuld beweisen müssen.

Massenüberwachung stempelt uns alle als Verdächtige ab.

Und sie funktioniert nicht einmal! Für 326 Anfragen (2012-2013) pauschal 8 Millionen Menschen verdächtigen und überwachen? Ich bin nicht begeistert.

Wenn ich genau überlege, habe ich doch etwas zu verbergen

Der erste Schritt ist dann ja schon getan – das Bewusstsein. Hier kannst du weitermachen:

  • Schritt 1: den relevanten Accounts folgen (z.B. @socialhack)
  • Schritt 2: an einen Verein wie AKVorrat spenden
  • Schritt 3: euch von mir die aktuellen News in Bezug auf Netzpolitik bequem zusenden lassen.

Ignorant sein ist gefährlich – Was du mitnehmen solltest

  • Netzneutralität fördert Innovation
  • Netzsperren sind nur emotional der richtige Weg
  • Massenüberwachung ist Massenverdächtigung – und funktioniert nicht einmal.

Was kann ich tun?

  • keine Tarife/Produkte kaufen, die die Netzneutralität untergraben
  • Sich der Sache bewusst sein – und dieses Bewusstsein wahren
  • an AKVorrat spenden. Das ist ein österreichischer Verein zum Thema Netzpolitik.
  • In meinen Newsletter eintragen. So kannst du bequem Up-to-date bleiben.

 

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