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2019-05-02 11 Minuten

Present or die. Lern zu präsentieren!

In meinem “technischen” Freundeskreis werde ich oft für meinen Bachelor of Arts ausgelacht. Was ich denn studiert habe, Kunst? HAHAHAHA lustig. Fakt ist jedoch, dass mir mein Studium eine Fähigkeit beigebracht hat, die seit jeher viel zu wenig beachtet wird. Die Fähigkeit, zu präsentieren. Geschichten zu erzählen. Meine Ideen verständlich in die Köpfe meiner Zuhörer … Continued

In meinem “technischen” Freundeskreis werde ich oft für meinen Bachelor of Arts ausgelacht. Was ich denn studiert habe, Kunst?

HAHAHAHA lustig.

Fakt ist jedoch, dass mir mein Studium eine Fähigkeit beigebracht hat, die seit jeher viel zu wenig beachtet wird.

Die Fähigkeit, zu präsentieren. Geschichten zu erzählen. Meine Ideen verständlich in die Köpfe meiner Zuhörer und Leser zu bringen.

Hebel

Präsentieren können ist ein Skill, der überall im Leben Auswirkungen hat. Hier gibt es eine richtig interessante Hebelwirkung:

Je besser du präsentieren kannst, desto besser kannst du in jedem Lebensbereich deine Gedanken ausformulieren, auf das jeweilige Publikum eingehen, und dein Ziel erreichen.

Zwar verstehen wir unter Präsentieren meist das Reden vor mehreren Personen, für mich persönlich macht es keinen Unterschied, ob ich vor 100 oder einer Person spreche. Die Prinzipien sind die gleichen.

Dahinter steht folgende Frage:

Wie willst du deine Mission jemals erfüllen können, wenn du es nicht einmal schaffst, dass dein Gegenüber deinen Gedanken folgen kann?

Man könnte natürlich meinen, dass Menschen tendenziell doof sind, aber was ist wahrscheinlicher:

Dass jede Person in deinem Umfeld deppert ist, oder dass du einfach nicht kommunizieren kannst? Das “ich bin nicht schuld, wenn die anderen blöd sind”-Argument ist eines der – verzeih den Ausdruck – hirnrissigsten Argumente, die ich kenne.

So. Nachdem das nun raus ist, können wir mit dem produktiven Teil des Artikels beginnen.

Was willst du überhaupt sagen?

Dieser Part ist sehr oft von Uni, Schule oder Briefing vorgegeben. Es gibt einen Titel, es gibt ein grobes Thema.

Alles easy, weiter zum nächsten Schritt?

Nein.

Das Thema ist nur die Überschrift, der Buchtitel. Es liegt an dir, herauszufinden, was du sagen willst. Und zwar wirklich sagen. Was ist deine Meinung? Was willst du, dass dein Publikum mit nach Hause nimmt?

Wie willst du das Leben deiner Zuhörer zum Positiven verändern?

Das ist ein ziemlich schwieriger Schritt am Anfang. Auch weil man uns permanent einimpft, dass wir alles tun können und uns die Welt offen steht.. Wenn man dann jemanden fragt, was er/sie denn zu sagen hat, herrscht dann oft eine unangenehme Stille.

Dahinter steckt meiner Meinung nach ein Selbstbewusstseinsproblem. Seine Meinung sagt man in unserer Gesellschaft nur, wenn man dazu aufgefordert wird.

Wenn du kein Ziel in deinen Konversationen (gut, man braucht nicht in jeder Konversation ein Ziel) und Präsentationen hast, was glaubst du wird passieren?

Deine Gedanken werden überall und nirgends sein. Und es wird nichts beim Publikum ankommen.

Das Ziel bzw. die Aussage deiner Präsentation kann auch ein Gefühl sein, das du vermitteln willst. Das ist vielleicht sogar einfacher, als ein Ziel in Worte zu fassen. Liegt uns Menschen auch irgendwie näher.

Wenn ich über Themen von Fake-News bis Hacking rede, ziele ich auf folgendes Gefühl ab: Erkenntnis mit einer Prise Angst und einem Teelöffel Faszination.

Wenn du weißt, was du erreichen willst, sieh dir dein Publikum an:

Know your Audience

Vor Kurzem habe ich einen Vortrag vor Lehrlingen gehalten. Habe ich Memes verwendet? Natürlich. Gut, ich verwende auch bei älteren Personen Memes. Aber da wähle ich dann die Memes, die es eben schon bis in die WhatsApp-Gruppen unserer Eltern geschafft haben.

In diesem Schritt stelle ich mir meist folgende Fragen:

  • Was ist die Lebensrealität der Zuhörer?
  • Wo haben die Personen schon einmal Kontakt zum Thema meines Vortrags gehabt?
  • Was ist der Wissensstand des Publikums?

Auch dieser Punkt überträgt sich nahtlos auf unternehmensinterne Kommunikation oder sogar ins Privatleben.

Bei Programmierern sehe ich das sehr oft: Es wird Wissen vorausgesetzt, das nur wenige in der Gruppe überhaupt haben. Und dann soll man den Ausführungen folgen können?

Ich kann es schon verstehen. Man verbringt 100% seiner Zeit im eigenen Kopf. Heißt: die Sachen, die wir machen, sind für uns so selbstverständlich, da fällt es leicht, auf andere Personen ein ähnliches Mindset, ein ähnliches Verständnis von Themen zu projizieren.

Wenn du etwas nicht simpel erklären kannst, verstehst du es nicht gut genug.

– Albert Einstein

Das “simpel” würde ich vielleicht noch durch “fürs Publikum verständlich” ersetzen. Aber dann wär es kein so klingendes Zitat mehr.

Achte auf die Dramaturgie, das Storytelling

Das ist eines meiner Lieblingsthemen. Es ist für mich immer wieder unfassbar, was Storytelling eigentlich für eine Macht hat. Es erlaubt Hacks wie bei der FACC, es schafft so großartige Bücher wie Game of Thrones und lässt Millionen von Fans in die Kinos strömen, um sich Superheldenfilme anzusehen.

Also irgendetwas an einer guten Story berührt uns auf einer ganz anderen Ebene.

Jede Story hat ihre eigene Dramaturgie, ihren eigenen Spannungsbogen. Es gibt bestimmte Archetypen, die immer mal wieder vorkommen. Ich kann jedem nur empfehlen, sich einmal ein wenig in das Thema einzulesen. Du wirst 0815-Serien zwar nicht mehr zu schätzen wissen, weil die Story (noch) berechenbarer wird, aber fürs Präsentieren? Da bringt es echt etwas.

Ich selbst baue meine Präsentationen zwar nicht wie einen Superheldenfilm auf (zumindest meistens), mache mir aber trotzdem Gedanken, wie denn einzelne Kapitel ins Große und Ganze einzahlen. Bei mir passiert das irgendwie im Kopf, es schadet aber nicht, sich den Storybogen auch aufzuzeichnen.

Hier die Story für einen meiner letzten Vorträge:

Das ist natürlich stark vereinfacht – im Großen und Ganzen hat die Story hier so funktioniert:

  • Fake News: Das Thema habe ich als Einleitung gewählt, weil jeder irgendwie davon gehört hat. Und niemand weiß, was konkret passiert ist. Die zentrale Aussage dieses Kapitels war: “Es ist egal, ob die Story stimmt, solange sie unser Weltbild bestätigt”
  • Dann folgt der Themawechsel zu den sozialen Medien. Dieser ist bewusst abrupt gewählt, um nach den ersten 20 Minuten die Zuhörer ein wenig aufzuwecken. Es wird der Spannungsbogen zu Fake News offen gelassen. Wie passt das alles zusammen? Zentrale Aussage hier war: “Plattformen haben kein Interesse an der Wahrheit, sie wollen User so lange wie möglich im eigenen System halten”. Diese beiden ersten Kapitel führe ich hier zusammen.
  • Mit OSINT (Open Source Intelligence) habe ich den Bogen dann noch ein wenig größer gespannt: ich habe Fake News und Social Media im generellen Themenbereich “Information” eingeordnet. Und da Information auch irgendwie Macht ist, wurde dieses Thema am Schluss dann mit den bisherigen Themen verknüpft.
  • In dieser Grafik nicht gezeigt sind diverse Querverknüpfungen und Anekdoten, mit denen ich das Verhältnis und Zusammenspiel von Information, Social Media und Fake News genauer erläutert habe.

Hast du schon einmal eine Serie gesehen, bei der der Handlungsstrang einer Person die du mochtest, einfach nicht zu Ende geführt wird? So frustrierend. Bitte vermeide diesen Frust bei deinem Publikum. Plane die Zeit ein, alle aufgemachten Handlungsstränge zusammen- und zu Ende zu führen

Eine super Taktik für die Story ist das Problematisieren. In meinem ersten Job hatte ich eine Social Skills Schulung, bei der wir kurze Präsentationen vorbereiten mussten. Einer der Teilnehmer hat über Zahnspangen referiert. Und es war spannend.

Er hat auf häufige Komplikationen hingewiesen, Folgen aufgezeigt. Konsequenzen für das Leben jeder einzelnen Person im Publikum in den Raum (und damit den Zuhörern in den Kopf) gestellt.

So weit zum Großen Ganzen. Gehen wir ins Detail:

Hole die Personen ab, wo sie sind

Einleitung, Hauptteil, Schluss. So funktionieren Erläuterungen. Haben wir alle in der Schule gelernt.

Warum zur Hölle bestehen so viele Präsentationen da draußen dann nur aus dem Hauptteil!?

Einleitung

Die Einleitung wird oft übersprungen, weil sie ja keinen Mehrwert bietet. In der Einleitung kann man weder mit dem eigenen Wissen trumpfen, noch hilft es dabei, die 400 Folien starke Präsentation schneller rüberzubringen.

Dabei ist es umgekehrt: ohne richtige Einleitung kann der Hauptteil nie schlagkräftig sein. Das Publikum ist – genau so wie der Speaker – so sehr im eigenen Kopf verankert, da muss zuerst einmal eine Brücke geschlagen werden.

Diese Brücke sollte der Präsentierende aufbauen. Passiert dies nicht, gibt es fürs Publikum genau 2 Möglichkeiten:

  • Verwende ich die mentalen Kapazitäten, und finde selbst Anschluss? (Die Wenigsten werden sich diesen Aufwand machen)
  • Ich schau aufs Smartphone

Eine Einleitung, bei der grundsätzliches Wissen noch einmal wiederholt wird ist kein Zeichen fehlender Kompetenz .Ganz im Gegenteil: Sie ist ein Zeichen sehr hoher Kompetenz.

Dies kann über eine kurze Geschichte passieren, oder man ordnet das Thema allgemein im Weltgeschehen bzw. einem größeren Thema ein.

Schluss

Genau so wie die Einleitung das Publikum mit auf die Reise nimmt, so hilft ein guter Abschluss, wieder zurück ins Leben zu finden.

Jeder kennt die Situation: der Speaker geht auf die nächste Folie, und da steht schon “Danke”. Komisch, denn eigentlich waren einige Stories noch nicht aufgelöst, und es hat keinerlei Zusammenfassung oder Lektion gegeben.

Diesen Bruch gilt es zu vermeiden: Wir haben alle eine Meinung, und wollen etwas bewegen. Wenn wir unseren Zuhörern nicht mitgeben, was sie denn nun tun sollen, oder wie es weitergeht, verpufft jegliche Wirkung, die wir uns mühevoll aufgebaut haben.

Was bleibt ist der “Ah okay, schon vorbei?”-Moment anstatt dem “Woah, ich muss mein Leben verändern”-Moment.

Beim Abschluss eines jeden Kapitels gehe ich noch einmal auf folgende Fragen ein:

  • Was haben wir gelernt?
  • Wie ist das im Großen Ganzen einzuordnen?
  • Was kann mein Publikum nun tun?

Timing

Wäre dieser Blogartikel eine Präsentation, ich hätte das Timing vollkommen verkackt. Ich habe mit 800 Wörtern gerechnet, jetzt ist es ein vollwertiger Guide geworden. Das ist jetzt kein Problem bei einem Blogartikel, in der Präsentation schon.

Die Gefahren falschen Timings sind:

  • Stille, weil alle Fragen geklärt sind, und wir noch 15 Minuten haben (selten)
  • Wir überspringen die letzten 20 Folien, direkt zur “Danke” Folie

Mir persönlich ist lieber, eine Präsentation ist zu kurz (wenn der Rest stimmt). Man kann auch mal tatsächlich kurz und prägnant Themen rüberbringen. Es wird generell zu viel geredet, und zu wenig gesagt.

Die zweite Variante ist die schlimmste – sowohl für die Zuhörer, als auch den Speaker:

Der Redner hat sein Ziel nicht erreicht, diverse Storylines aufgemacht, und keine davon zum Abschluss gebracht.

Das Publikum hat dieses ungute Gefühl einer nicht zu Ende gesehenen Folge Game of Thrones. Es wird quasi aus der Story ins eigene Leben zurückgerissen. Und vergisst oft dabei, was eigentlich die Lektion des Ganzen war.

Wenn du nur selten Vorträge hältst, solltest du diese im Vorfeld mehrmals durchsprechen, damit du ein Gefühl fürs Timing erhältst.

Wenn du öfter redest, geht das Timing langsam ins Gefühl über. Ich habe dann einzelne Geschichten, von denen ich weiß, dass ich damit 5 Minuten gewinnen kann, sollte ich zu kurz sein. In der Präsentation finde ich dann einen Anknüpfungspunkt, um diese Geschichte zu erzählen.

Um nicht zu lang zu werden, baue ich im Foliensatz ein Kapitel ein, das ich bequem überspringen kann. So weiß das Publikum nicht einmal, dass ich Themen ausgelassen habe.

Das Timing ist aber eines der schwierigsten Dinge zu meistern: ist man Anfänger, hat man wirklich Besseres zu tun, als auf die Zeit zu achten. Finde mal lieber den nächsten Satz. Je länger man dann dabei ist, desto einfacher wird es.

Präsentations-Hacks

Und weil ich grad so drin bin, hier noch ein paar kleine Hacks, die ich mir im Laufe der letzten Jahre angeeignet habe:

Keine Angst vor der Stille

Ich weiß nicht, was wir Menschen mit der Stille für ein Problem haben. Wir versuchen wirklich intensiv, sie zu vermeiden.

Beim Präsentieren ist sie aber durchaus wichtig. Noch einmal: Alle in der Situation sind so in ihrem eigenen Kopf, in ihrer eigenen Welt. Da brauchen die Gedanken der Speakerin schon auch einmal ein paar Sekunden, um überhaupt verarbeitet zu werden. Gib deinem Publikum diese Möglichkeit.

Auch ist die Stille eine super Taktik, um “Ähms” aus der Welt zu schaffen. Es ist okay, ein bisschen zu überlegen, wie denn der nächste Satz aufgebaut sein soll. Macht man dies in Stille, hat das einen ganz anderen Effekt, als ein langgezogenes “äääähm”.

Keine Notizen muss das Ziel sein

Du hast so viel zu geben. Traurig, wenn du dich dann hinter einer (nicht sehr schützenden, aber das ist das unterbewusste Ziel dahinter) Wand an Notizzetteln versteckst.

Natürlich, erst ab einem gewissen Level wird man so frei reden können, dass die Zettel eher Hindernis als Hilfe sind. Das sollte jedoch das Ziel sein.

Ich sage dir aber eins: Die persönliche, soziale Komponente in einer Präsentation ist viel stärker, als man glauben würde.

Powerpoint

Da brauche ich glaube ich nicht einmal zu anzufangen. Das ist ein Thema für einen eigenen Artikel. So viel sei aber gesagt: Die Folien sollen dich dabei unterstützen, deine Geschichte zu erzählen.

Eine meiner Folien aus dem Social-Media-Vortrag war folgende:

Ich hätte 7 Biases aufzählen können, die Instagram verwendet, um uns abhängig zu machen. Eine Versuchsratte mit dazugehöriger Story bringt den Punkt besser rüber.

Natürlich ist es bequem, die Folien dazu zu verwenden, das Publikum von dir abzulenken. Das hat jeder schon mal gemacht. Aber noch einmal: die persönliche Komponente ist extrem mächtig. Und da steht ein schlechter Foliensatz definitiv zwischen dir und der Erreichung deiner Ziele.

Fazit

Nicht nur in der Situation einer formalen Präsentation, sondern auch im Freundeskreis oder auf Networking-Events kann dir dieser Skill extrem gute Dienste erweisen.

Beim Präsentieren kommen jedoch so viele unterschiedliche Themen und Fähigkeiten zusammen, und irgendwie muss hier jedeR seinen eigenen Weg finden. Es gibt nicht die eine Art, zu präsentieren.

Ich hoffe, ich konnte dir auf deinem Weg ein wenig helfen.

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1 Kommentar

  1. Ich musste schon so oft präsentieren, sei es während der Ausbildung oder im Job und mittlerweile gehört es bei mir schon zum daily business (Key Account Manager – egal ob mit oder ohne ppt… irgendwas präsentiert man da immer ;-)). Ich bin der Meinung, ich kann das halbwegs gut, deine Anleitung macht das Präsentieren in Zukunft aber sicher noch einen Tick besser! Danke für den tollen Blogartikel!!

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