2019-11-28 7 Minuten

Recap: We are Developers, Tag 1

Kann Künstliche Intelligenz uns retten?

Update: Inzwischen ist auch der Recap des zweiten Tages online.

Wir sind wahrlich in der Zukunft angekommen. Damit meine ich nicht nur, dass ich beim diesjährigen We are Developers AI & Blockchain Kongress plötzlich folgende Notification auf meine Uhr bekommen habe:

Nein, auch die Talks, die ich besucht habe, waren teilweise so futuristisch, ich bin immer noch baff. Natürlich war auch viel Technisches dabei, was ich euch – wie immer – so weit wie möglich erspare.

Begonnen hat mein Tag direkt mit einer vollen Dröhnung Wörter, von denen ich nur wenige verstanden habe.

Attacking Machine Learning Methods – Wie man eine künstliche Intelligenz angreift

Alles, was in der IT existiert, wird irgendwie angegriffen. Das ist die Welt, in der wir leben. Jelena Milosevic von der TU Wien erklärt hier, welche Angriffsszenarien gegen Machine Learning gibt.

In der IT Sicherheit gibt es inzwischen sehr viele Produkte, die mit künstlicher Intelligenz unser aller Unternehmen sicherer machen wollen. So wird beispielsweise automatisch jemand informiert, wenn sich dein PC zu einem unbekannten Server verbindet.

Das klingt erst einmal trivial, ist aber schon alleine aufgrund der riesigen Datenmenge keine leichte Aufgabe.

Wenn also die Verteidiger besser werden ist es nur naheliegend, dass Angreifer versuchen werden, diesen Systemen zu entgehen.

Wie das genau geht (Auszug)?

  1. Die Trainingsdaten vergiften. Die AI wird auf Basis von irgendwelchen Daten trainiert, bevor sie dann in die “echte Welt” entlassen wird. Kann man die Trainingsdaten stören, kann man die Funktion in der echten Welt beeinträchtigen. Hier wird ein Stop-Schild nicht richtig erkannt:
  2. Das Modell stehlen. Schafft man dies, hat man offline beliebig viele Versuche, bis man genau einen Weg findet, der nicht vom System erkannt wird. Bingo.
  3. Über einen Fall stolpern, bei dem das System nicht anschlägt. Passiert dies, kann man laut Milosevic’s Forschung davon ausgehen, dass dies bei mehreren Systemen funktionieren wird.

Mein Fazit hier? Ich habe mal wieder realisiert, wie wenig ich weiß. Dennoch: Es wird hoch interessant, wie sich das Thema künstliche Intelligenz halten wird, wenn die ersten echten Angriffe auf Unternehmen passieren. Oder bei einem Hack nicht nur die Kundendaten abgegriffen werden, sondern auch direkt die künstliche Intelligenz gestohlen wird.

Automatisiertes Software Testing (natürlich mit künstlicher Intelligenz)

Eines der im Moment sexiesten Themen, mit einem der fadesten Themen kombiniert. Ich kenne genau eine Person, die begeistert vom Software testen ist. Gerta Sheganaku aber anscheinend auch.

Was natürlich nicht heißt, dass es nicht wichtig wäre. Nur will es keiner wirklich tun.

Heißt auch nicht, dass es nicht langfristig große Vorteile hat. Hat es nämlich. Nur will es keiner tun.

Umso interessanter, wenn uns auch hier unsere neuen Maschinen-Overlords uns helfen können. Das Thema selbst war dann schon sehr technisch, deshalb werde ich dich hier nur mit einem “Screenshot” der Präsentation abwimmeln, der aber eindrucksvoll zeigt, was das Thema künstliche Intelligenz heute schon kann.

Von Krankheiten erkennen bis neue Sprachen erfinden schon alles dabei. Aber eben alles sehr futuristisch.

Ich wär schon zufrieden, wenn mir das Softwaretesten abgenommen werden könnte.

Das programmierbare Smart Home. Ohne künstliche Intelligenz (noch)

Dass die Internet of Things Branche im Moment ein einziges Marktversagen ist, ist kein Geheimnis. Zu viele Player mit zu vielen Apps, zu wenig Security-Bewusstsein bei den Herstellern und Usern.

Keine gute Mischung.

Ein Open Source Projekt, das hier Abhilfe schaffen könnte ist nymea. Damit kann man zum Beispiel smarte Lampen anprogrammieren, ohne unbedingt auf die Herstellersoftware zurückzugreifen.

Ich weiß nicht, ob es heute überhaupt möglich ist, ein sicheres Smart Home zu basteln. Ich (und in Folge du) werde es spätestens herausfinden, wenn ich ans upgraden meiner Wohnung denke. Freue ich mich schon, wenn ich solche Sachen tatsächlich programmieren kann, ohne dass meine Daten nach China fliegen:

Blockchain in der echten Welt

Es ist 2 Jahre her, seit auch ich dem Blockchain Hype erlegen bin. Inzwischen ist es um sehr viele Projekte sehr sehr ruhig geworden. Die Betrüger verkaufen inzwischen Trading-Tips in WhatsApp Gruppen, und erfinden zumindest keine neuen Währungen mehr.

Ansonsten passiert eben wenig. Umso interessanter, wenn Cees van Wijk von der Bank ING-Diba AG über die echte Welt spricht, nicht die Fantasiewelt aus 2017. Die ING verwendet eine (Pseudo-)Blockchain, um Geld zwischen Banken hin- und her zu transferieren. Und zwar nicht mehr nur als Prototyp (so einen hat vermutlich fast jede Bank herumliegen), sondern produktiv.

Und das bringt einiges an Herausforderungen mit sich. Zum Beispiel: Wie macht man Updates auf der Blockchain? Wie neue Features veröffentlichen? In einem Umfeld, in dem eigentlich nichts im Nachhinein veränderbar sein darf?

Nach dem Talk muss ich zugeben: Bis die Blockchain tatsächlich so weit ist, wird es wohl noch ein wenig dauern. Die Technologie ist so …anders, dass hier wohl überhaupt erst einmal Erfahrungen mit dem produktiven Einsatz gemacht werden müssen.

Der Krieg gegen die Fake News (wieder mit künstlicher Intelligenz)

Mein persönliches Highlight aber war der Einblick in den Krieg gegen Fake News.

Or Levi, seines Zeichens Data Scientist bei Ebay, kämpft nachts (oder so) gegen Fake News.

Das Arsenal der “Bösen” ist hier in den letzten Jahren stark gewachsen.

Inzwischen kann innerhalb weniger Stunden ein sogenanntes Deep Fake Video erstellt werden, bei dem es so aussieht, als würde dir beispielsweise Donald Trump zum Geburtstag gratulieren. Benötigt wird hier laut Levi eigentlich nur mehr ein wenige Minuten langes Video.

Womit nun auch Privatpersonen ins Visier geraten, von denen es eben nicht so viel öffentliches Filmmaterial gibt wie bei unseren Politikern.

Aber auch das Thema Text ist hier hoch interessant. Es gibt künstliche Intelligenzen, die nur auf Basis einer gegebenen Headline einen gesamten, kohärenten Text generieren können.

Als Beispiel bringt Levi die Überschrift “Link found between autism and vaccines”. Der daraus generierte Text war so gut, dass ihn wahrscheinlich ein Großteil der Impfgegner nicht von einem echten Text unterscheiden könnten.

Aber genau so interessant wie die Methoden zur Generierung von Fake News sind die Methoden zur Detektion:

Natürlich, wie in jedem schlechten Science-Fiction-Film, schmeißen wir auf ein Problem, das von künstlicher Intelligenz erzeugt wird? Richtig:

Mehr künstliche Intelligenz.

Aber lassen wir Bilder sprechen:

Künstliche Intelligenz kann den menschlichen Puls auf einem Video erkennen.

Was ziemlich gruslig klingt, ist ein Segen für die Detektion von Deep Fakes. Fehlt dieser Puls im Video, schaut man entweder Walking Dead, oder eben einen Deep Fake.

Mit seinem Unternehmen adverif.ai möchte Levi das Problem lösen. Wie? In dem er Fake-News Webseiten den Geldhahn zudreht. Diese Plattformen verdienen klassisch über Online-Werbung Geld. Seine Tools ermöglichen Unternehmen zu verifizieren, ob ihre Werbung auf solchen Plattformen geschalten wird.

Kein Unternehmen will die eigene Marke neben Fake News oder Terroristen sehen.

Ein weiteres Problem hier ist aber noch die Erkennung von Satire. Fake News und Satire sind in ihrer Natur nämlich gar nicht so unterschiedlich.

Natürlich, ein halbwegs gebildeter Mensch versteht die Nuancen. Ein Computer (und diverse Politiker) nicht. Auch hier kann uns künstliche Intelligenz in Zukunft helfen. So wird laut Levi Satire in mehreren Faktoren als schwieriger zu lesen eingestuft.

Man könnte also sagen: Satire ist für Achtklässler, Fake News für den Kindergarten geschrieben. Deswegen funktioniert’s wohl auch so gut.

Aber so lange ein Algorithmus zumindest Unterschiede findet, besteht die Hoffnung, Fake News zu besiegen.

Fazit Tag 1

Den ersten Tag kann man glaube ich am Besten mit der Umfrage beschreiben, die nach dem letzten Talk gemacht wurde:

  • 63% glauben, dass künstliche Intelligenz uns umbringen wird
  • 37% glauben, sie wird uns retten

Und das Ergebnis der Frage “Welches Szenario ist am wahrscheinlichsten?” wurde so abgestimmt:


Viel Spaß in der Zukunft.

 

Update: Hier geht es zum Recap des zweiten Tages.

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