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2019-03-21 4 Minuten

Signal vs. Noise

Die Zeit und ihre Biases

Vor Kurzem fiel meine Aufmerksamkeit auf ein Magazin in meinem Buchregal, das dort schon seit 2014 einsortiert war. Ein Wissenschaftsmagazin, keine Ahnung woher ich das habe. Aber das Titelblatt hat mich irgendwie in den Bann gezogen:

Wie nehmen wir Zeit wahr?

Die Details sind mir inzwischen wieder entfallen, aber die Kernaussage des Artikels blieb irgendwie in meinem Kopf hängen.

Unsere Wahrnehmung von Zeit hängt stark mit unserer Wahrnehmung des Selbst, des Körpers zusammen.

In einem Nebensatz wurde sogar der berühmte Flow erwähnt, der für Programmierer und sonstige Kreative ein essenzieller Bestandteil des Lebens ist.

Der Flow geht mit einer gewissen Entkoppelung vom Körper einher. Man ist so in eine Aufgabe vertieft, dass man Stunden später aufschreckt, und nicht weiß wie spät es ist.

Durch dieses extreme Involvement in einer Aufgabe ist unser Gehirn nicht mehr auf die Signale unseres Körpers fokussiert, sondern eben im Flow. Das bringt die interne Zeitmessung durcheinander – Stunden fühlen sich wie Minuten an.

Ma Boy Albert Einstein hat schon gewusst, wovon er spricht. Zeit ist relativ.

Seitdem begegnet mir die Zeit laufend im Alltag. Egal ob im Projektmanagement – wo Zeit scheinbar noch subjektiver ist als im Privatleben – oder bei Wartezeiten auf den Zug.

Und ich sehe überall Personen (mich eingeschlossen), die mit dem Konzept “Zeit” überhaupt nicht klarkommen.

Du hast mehr Zeit, als du glaubst

Zeit für ein paar Lebensweisheiten:

  • Alles dauert länger als du glaubst
  • Fast nichts ist so dringend, wie es dir kommuniziert wird
  • Nicht reagieren ist oft eine vollkommen valide Option

Wir tappen so schnell in diese Falle:

Nur weil etwas gerade unser (Arbeits-)Leben vollständig in Anspruch nimmt, heißt das noch lange nicht, dass es wichtig oder gar dringend ist.

Newsflash: die Welt geht nicht unter, wenn dein Ketchup-Plakat nicht morgen fertig ist.

So entsteht ein subtiler Stress, eine mentale Grund-Angespanntheit. Und wenn die nicht immer mal wieder abgebaut wird? Bitte nehmen Sie die zweite Ausfahrt links Richtung Burnout-Klinik.

Insgeheim wissen wir nämlich genau, dass der Shit total irrelevant ist, längerfristig gesehen. Dass es da Sachen gibt, mit denen wir uns eigentlich eher beschäftigen sollten. Ich glaube niemand hat in hohem Alter jemals bereut, das Ketchup-Plakat nicht doch im All-Nighter noch gemacht zu haben.

Ich habe begonnen, die Welt der absurden Deadlines und “es ist von höchster Priorität” ein wenig distanzierter zu sehen. Ja, ich mache die Arbeiten (ich bin immer noch Selbständig, und Projekte müssen auch fertiggestellt werden), aber ich lasse mich davon nicht mehr so extrem aus der Ruhe bringen.

Da konzentriere ich mich lieber auf die Dinge, wo wirklich die Zeit tickt:

Du hast weit weniger Zeit, als du glaubst

Es war noch nie so leicht, sich von den wirklich wichtigen Dingen abzulenken:

  • Hast du dem XY seine Story gesehen?
  • Mah schau, was die Person getweetet hat!
  • OMG, jemand hat einen inkorrekten Witz gemacht!1!

… wirklich!?

Du hast das Wissen der Welt in der Hand (buchstäblich, jetzt auch gerade) und entscheidest dich, über etwas schockiert zu sein, was in 5 Minuten schon wieder irrelevant ist?

Realitycheck:

  • In den nächsten 10 Jahren kommen Automatisierung und Digitalisierung daher: Wie viel Zeit hast du dieses Jahr darin investiert, Skills zu lernen, die dann noch relevant sind? Oder vertraust du hier etwa darauf, vielleicht doch vom Staat aufgefangen zu werden? Plot Twist: das machen fast alle.
  • Du wirst wahrscheinlich kaum Pension kriegen: Die Gesellschaft altert, wir leben alle viel länger als noch vor 50 Jahren. Im Pensionssystem spiegelt sich das kaum wieder. Da muss man kein Prophet sein um zu kapieren, dass Vertrauen ins System zwar gut ist, aber bei weitem nicht deine einzige Option sein sollte. Apropos Optionen (Investmentbänker-Joke):
  • Weißt du, wie Geld funktioniert? Ich habe meine Erfahrungen mit schwindligen Finanzberatern und Bankbetreuern (deren einzige Investmentausbildung ein 2-Stündiges Seminar war) schon gemacht. Aber wie sieht dein Finanzplan für die nächsten 10 Jahre aus? Wie lange hast du dich über deine Möglichkeiten informiert? Aber vielleicht ist ja alles dann irrelevant, denn:
  • Die Umwelt machts nicht mehr lange: Das ist zwar überhaupt nicht mein Thema. Aber dass die Menschheit wie ein Virus oder Krebsgeschwür agiert, sollte uns nicht nur objektiv klar sein.

Aber schau, dort drüben!

Diese Möchtegern-Instagrammerin ist schon wieder auf Urlaub. Wie kann sich die das leisten? Ich packs nicht.

Signal vs. Noise

In der Technologie gibt es die sogenannte Signal-to-noise ratio. Sie vergleicht die Stärke eines gewünschten Signals mit der Stärke des Hintergrundgeräusches.

Grob könnte man sagen:

  • Signal ist das, was wir haben wollen, wichtige Information
  • Noise ist eigentlich irrelevantes Hintergrundrauschen. Das die Übertragung stört, quasi nur ablenkt.

In der heutigen Welt haben wir viel zu viel Noise, und viel zu wenig Signal.

Ich würde sogar so weit gehen, den Großteil des Tagesgeschehens (also auch Tageszeitungen) als Noise einzustufen. Was bringt es dir, den Artikel über den Nachbarschaftsstreit wegen einer Garage im Nachbarort gelesen zu haben?

Außer, dass du erfolgreich aufs Hintergrundrauschen gehört hast.

Und dabei das Signal an dir vorüber gegangen ist.

Von Hackern, Wordpress, SEO & Co

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2 Kommentare

  1. Hallo Martin, danke für diesen wachrüttelnden Beitrag.

    Wie wenig Zeit wir eigentlich haben, ist ein Aspekt, den ich viel zu oft erfolgreich verdränge. Vor Kurzem habe ich angefangen, Digital Minimalism von Cal Newport zu lesen, da passt das perfekt dazu.

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