2019-04-10 4 Minuten

Sparkling Science iBridge: eine Brücke zwischen Generationen

Ein Lektor auf meiner FH will uns ein Youtube-Video zeigen. Dafür öffnet er den Internet Explorer (mkay…), gibt oben “Google” ein, und googelt damit Google auf Google (aha…), klickt auf den ersten Link (Google), und gibt dort “Youtube” ein (…), klickt wiederum auf den ersten Link, und sucht dann nach dem Video. Damals war’s lustig, … Continued

Ein Lektor auf meiner FH will uns ein Youtube-Video zeigen. Dafür öffnet er den Internet Explorer (mkay…), gibt oben “Google” ein, und googelt damit Google auf Google (aha…), klickt auf den ersten Link (Google), und gibt dort “Youtube” ein (…), klickt wiederum auf den ersten Link, und sucht dann nach dem Video.

Damals war’s lustig, heute bin ich nicht mehr dieser Meinung. Immer wieder denke ich seitdem über diese Situation nach.

Es fällt einem so leicht, als technisch versierte Person in solchen Momenten extrem ungeduldig zu sein.

Gleichzeitig fällt es extrem schwer, sich in Personen zu versetzen, die das, was wir programmieren und erschaffen, dann letztendlich verwenden werden. Ein gesamter Berufszweig – die User Experience, kurz UX – hat sich daraus entwickelt.

Als ich auf eine Projektpräsentation des Projektes iBridge von Sparkling Science eingeladen wurde, war für mich klar: Das muss ich mir ansehen. Schließlich predige ich ja immer, dass die Technik(er) sich mal ein wenig aus dem Elfenbeinturm trauen sollten.

Richtig erkannt: Dies ist ein Sponsored Post. Ich wurde eingeladen, an einer Projektpräsentation teilzunehmen, und einen Post darüber zu verfassen. Was dann passierte, hat meinen Glauben in die Menschheit wieder ein wenig hergestellt.

Das Projekt

Das Projekt iBridge lässt sich sehr schwer erklären. Die Gleichung

HTL-SchülerInnen + PensionistInnen + Lean Startup

wird dem Ganzen eigentlich nicht wirklich gerecht.

Im Grunde geht es darum, den Horizont von HTL-SchülerInnen zu erweitern, ihnen die Bedürfnisse der älteren Zielgruppe näher zu bringen. Darum, soziale Kompetenzen zu vermitteln, und – ganz nebenbei – den PensionistInnen moderne Technologien beizubringen.

Oder, viel besser gesagt: Es geht um Selbstvertrauen. Darum, dass die Macher der Zukunft an Menschen herantreten können, mit denen sie in ihrem Alltag eigentlich nicht wirklich etwas zu tun haben zu tun haben.

Und um das Selbstvertrauen der älteren Semester, moderne Technologien auszuprobieren.

Warum das so wichtig ist wird durch ein paar Zahlen deutlich:

  • 23,5 Prozent der Menschen in Österreich sind über 60 Jahre alt.
  • Im Jahr 2030 werden es schon 30 Prozent sein – 2045 dann 33.

Heißt: Wir brauchen Macher, die auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe eingehen.

Denn auch wenn wir LeistungsträgerInnen und Ins-System-Einzahlende es nicht wahrhaben wollen: Wir gehören bald dazu.

Aber zurück zum Projekt.

Opernkarten online kaufen

Was mich (und auch die SchülerInnen, hab ich mir sagen lassen) am Meisten überrascht hat, war das Interesse der PensionistInnen.

Und: Wie offen hier 17-jährige SchülerInnen mit bewundernswerter Geduld Schritt für Schritt erklären, wie man E-Mails schreibt, Fotos anschaut, oder gar Opernkarten kauft.

Aus Interesse hab ich mich beim Verfassen dieses Blogartikels durch die Seiten der größeren Opern Wiens geklickt. Dafür, dass das Opern-Publikum eigentlich ein älteres ist, haben diese Webseiten eine eher dürftige User Experience.

Der Plan zoomt beim Scrollen wie wild herum, und man hat ein gefühlt 5×5 Pixel großes Feld, über das man hovern muss, um Informationen zum Sitzplatz zu bekommen. Naja.

Allein dieser PC-Grundkurs hat mich schon ziemlich begeistert. Hier war der Geist des ursprünglichen Internets spürbar: Jede und jeder kann unabhängig von Alter, Geschlecht und Rasse den Cyberspace für sich entdecken.

Die engagierten ProfessorInnen der HTLs Donaustadt und Ottakring sowie der HTBLVA Wexstraße gehen aber noch weiter: Gemeinsam mit der TU Wien und dem Practical Robotics Institute Austria werden direkt Konzepte für Roboter ausgearbeitet, die den Alltag der PensionistInnen erleichtern sollen.

Das sensitive Kuscheltier

Eines der vielen Projekte ist das sensitive Kuscheltier. Ein quasi Cyborg-Teddybär, der mit einem günstigen Rechner (einem Raspberry Pi 💪) hochgezüchtet wurde. Zu einem Teddy, der alle Stücke spielt:

  • Notfallknopf
  • hinterlegbarer Notfallkontakt
  • Medikamenten-Erinnerungen
  • sogar Audiobooks

In einer Fokusgruppe wird der Teddy einer Gruppe PensionistInnen vorgestellt.

Sofort fallen mir die Parallelen zu diversen Leanen und Agilen Methoden in der Wirtschaft auf: Direkt nach dem minimalen Prototypen (oder gar nur dem Konzept) heißt es: raus auf die Straße (in diesem Fall: in die Pensionistenklubs) und Feedback einholen!

Wer zu lange wartet, wird entweder nie fertig (“dieses eine Feature brauchen wir noch”), oder verfehlt den Markt komplett.

Eines kann man nach dieser Fokusgruppe sagen: Das Feedback der PensionistInnen ist knallhart.

  • “Ich kann mir nicht vorstellen, den ganzen Tag mit einem Teddybären herumzulaufen”
  • “Was mache ich beim Duschen?”
  • “Wo ist der Unterschied zu einem klassischen Notfall-Armband?”

Bumm. Fast wie eine Defensio hier im Pensionistenklub. Der präsentierende HTL-Schüler schlägt sich gut, geht auf Feedback ein, erklärt das Produkt noch einmal.

Ein dickes Grinsen in den Gesichtern der LehrerInnen, sie sind sichtlich stolz.

Zurecht.

Fazit

Man kommt der Digitalisierung nicht aus. Damit meine ich nicht nur die Digitalisierung selbst, auch in den Medien kommt es mir so vor. Überall liest man von Zukunftstechnologien, von User Experience, von Design Thinking und Lean Startup.

Gelebte Digitalisierung verkommt heutzutage aber zu schnell zu losen Lippenbekenntnissen, weil man müsste ja wirklich rausgehen und auf Bedürfnisse der Zielgruppen eingehen. Wo käme man denn da hin?

Ich kann euch sagen, wo wir hinkämen: in eine bessere Zukunft. Das klingt jetzt dramatisch, ich meine es aber genau so. Auf jeden Fall hat das Team von iBridge einen wertvollen Beitrag dazu geleistet.

Sparkling Science ist ein Forschungsförderprogramm des BMBWF, das von der OeAD-GmbH abgewickelt wird.

Nähere Informationen: sparklingscience.at

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2 Kommentare

  1. Super!
    Ich find das Thema auch so unendlich wichtig. Es muss so krass sein, in der heutigen Zeit 70+ zu sein: Aufgewachsen in der (Nach-)Kriegszeit, über die Aufbauarbeiten und Wirtschaftsaufschwung, so viel gesehen und erlebt zu haben. Und seit gefühlt 2 Minuten laufen alle mit kleinen Kästchen in der Hand herum, die man nicht versteht. Vorher ging doch auch alles irgendwie, und jetzt schaut einem keiner mehr ins Gesicht, sondern in diese Kästchen. Die auch dauernd irgendwelche Geräusche machen. Und eigentlich will man nur seine Ruhe haben…

    Ganz irre auch die Begriffswelt an sich. Was ist WLAN, HotSpot, Pixel, Touch-Display, usw. Das muss einen ja irre machen, wenn man nicht mit den „denglischen“ Begriffen aufgewachsen ist, und auch kein Englisch in der Schule hatte.

    Außerdem merk ich das bei mir selber auch schon. Ich bin Mitte 20, also eigentlich ein Digital Native (auch wenn ich das Wort nicht mag). Aber ganz ehrlich, es gibt einige Themen, mit denen möchte ich ich nicht mehr beschäftigen. Ja, SnapChat hab ich mir damals noch angesehen und für uninteressant (für mich privat) eingestuft. TikTok? Tellonym? Musical.ly? Ich fühle mich STEINALT.
    Wenn ich Kindergartenkinder sehe, die selbstverständlich mit Tablet & Co umgehen, bin ich einerseits sehr zuversichtlich dieser technologischen Entwicklung gestimmt. Es _ist_ halt einfach natürlich, mit Touchdisplays zu arbeiten. Und eine gute Applikation ist auch so intuitiv.
    Aber. Manchmal hab ich das Gefühl, diese Vierjährigen haben schon mehr Medienkompetenz als ich. (Bin damit aufgewachsen, hab „was mit Computer studiert“, arbeite in dem Bereich – wtf). Aber für diese Generation ist das alles nochmal ganz anders. Die werden uns mal überlaufen, denke ich manchmal.

    1. Danke für das Kommentar.

      Auch mir geht es regelmäßig so. Es lässt sich noch verkraften, wenn man den nächsten Social-Media Hype nicht versteht – schließlich lässt es sich auch ohne Social Media gut leben (hab ich gehört). Solange man die großen Trends (Digitalisierung im Allgemeinen) mitmacht. Aber auch das wird von uns bald einen riesigen, aktiven Aufwand benötigen, um daran teilzuhaben.

      Es gibt aber natürlich auch Hoffnung. Eine Generation PensionistInnen, die aktiv gegen das Abgehängt-werden ankämpft, sowie eine junge Generation, die diese Technologien einfach „kann“, zählen da eindeutig dazu 🙂

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