2019-10-03 6 Minuten

TikTok: Die Glockenhose der Social Media (Mit extra Zensur)

TikTok ist wie Vine. Nur mit mehr Zensur, und mehr Gesichtserkennung.

In einem Vortrag über Social Media und Open Source Intelligence vor den Lehrlingen meines Kunden stelle ich die Frage:

„Wo kriegt ihr eure Nachrichten her?“

Es folgt eine Aufzählung diverser Kanäle: Facebook, Instagram, Snapchat, Musically, TikTok.

Sofort geht eine Hand hoch:

“Musically und TikTok sind das gleiche”

Ich habe mich noch nie so alt gefühlt.

Dass es diese Apps gibt, war mir klar. Aber dass Musically von Bytedance aufgekauft, und die Apps in weiterer Folge zusammengelegt wurden? Ist an mir vorübergegangen.

Nach dem Vortrag stehe ich vor einer Entscheidung:

Versuchst du, up to date zu bleiben? Oder akzeptierst du, dass man nicht alles ausprobieren muss?

Ich bin noch nicht wirklich alt, aber der technische Fortschritt zieht mir anscheinend davon. Das kann ich natürlich (noch) nicht akzeptieren.

Ich habe TikTok installiert.

Was ist eigentlich TikTok?

Im Prinzip ist TikTok eine App, mit der man Kurzvideos von ein paar Sekunden drehen kann. Diese sind mit Musik oder Audiofiles hinterlegt, und die App bietet interessante Filter und Möglichkeiten, die Videos zu bearbeiten.

Zum Beispiel:

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Das war’s eigentlich schon.

Moment: das hatten wir doch schon!

Wirst du dir vielleicht denken, und du hast recht. Vine hat die Plattform damals geheißen. Selbes Prinzip, nur halt weniger Möglichkeiten, das Video zu bearbeiten.

Aber die Witze sind die selben. Sogar einige “Berühmtheiten” auf TikTok kenne ich noch aus Vine-Zeiten.

Warum also der Erfolg dieser Plattform?

Für mich ist TikTok die Glockenhose der Social Media. Ein Trend, den wir Alten schon lange hinter uns gelassen haben, kommt nun wieder.

Nur eben mit einer neuen Zielgruppe.

Nice Subaru, Bro!

Einer Zielgruppe, die 500 Millionen monatlich aktive User groß ist. Täglich sind es 150 Millionen aktive Nutzer. 52 Minuten verbringen die User durchschnittlich täglich in der App.

Das sind durchaus beeindruckende Zahlen.

Und: Die Zielgruppe ist zu 41% zwischen 16 und 24 Jahre alt. Das ist eine durchaus interessante Altersgruppe für Unternehmen. Das sind immerhin die Konsumenten der Zukunft.

Genau deswegen springen nun auch einige “Gurus” auf den TikTok-Zug auf.

Gary Vaynerchuck (Investor, Agentur-CEO und Content-King) hyped TikTok nun schon seit Wochen:

 

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Aber bis die Jugendlichen so weit sind, geht es im Leben der TikToker hauptsächlich um Selbstfindung und Sex (Nicht unbedingt in der Reihenfolge).

Scrollt man durch den Feed (das geht in TikTok auch komplett ohne Account), wimmelt es nur so von Burschen, die ihr tiefergelegtes Auto herzeigen oder mit 8000 Umdrehungen durch eine Siedlung fahren.

Auf der anderen Seite gibt es zig Beauty-Challenges, bei denen es nur darum geht, sein Club-Outfit herzuzeigen.

Dazwischen bleibt aber auch Platz für die wirklich kreativen Content-Erzeuger. Und die paar Personen über 30, die bereit sind, die langfristige Investition in die Plattform zu tätigen.

Ich werde das aber nicht machen. Vielleicht bin ich doch schon zu alt für den Sch***.

Zu einem nicht unerheblichen Teil auch, weil ich bei Apps aus China immer irgendwie ein ungutes Gefühl hab.

Live Zensur

Dass China in Echtzeit WeChat auf Basis eines Keywort-Filters (und auch Bilderkennung) zensiert, ist schon seit 2016 bekannt.

Angesichts dieser Info erhält auch folgender Satz aus dem Wikipedia Artikel über TikTok eine etwas andere Bedeutung:

Nutzerdaten werden durch eine Künstliche Intelligenz analysiert.

Betrachten wir das mal aus der Sicht der People’s Republic of China:

Du hast 150 Millionen tägliche aktive Nutzer die Videos machen, und die nicht über gewisse – nennen wir es “Vorfälle” – reden sollen. Heißt im Endeffekt: alle Videos (oder zumindest die aus China) müssen durch die Spracherkennung.

Kommen dann so Worte wie “Tiananmen Square” (oder – Achtung, Spekulation – “HongKong”) vor, wird die Reichweite des Posts drastisch eingeschränkt:

Sorry, dein Video ist leider nicht so viral gegangen wie die 10 davor, als du nur die Unterbodenbeleuchtung deines Autos hergezeigt hast. So ein Pech aber auch.

Und das ist das “geniale” daran: die User werden subtil dazu erzogen, solche Themen wegzulassen. Immerhin scheinen sie einfach keinen Anklang zu finden.

Aber man muss nicht mal über ein Massaker reden, um gebannt zu werden. Inzwischen reicht es auch, einfach nur über LGBT-Themen zu sprechen. Natürlich, auch darauf ist die PRC nicht so gut zu sprechen.

Belanglosigkeit?

Ich kann nur jedem empfehlen, selbst einen Blick auf TikTok zu werfen. Und wenn es nur aus professionellem Interesse ist. Oder um sich an die eigene Teenager-Zeit zurück zu erinnern.

Nur bitte lass die chinesische Innenpolitik weg. Oder deine sexuelle Orientierung. Wenn die sowieso nicht in deiner Content-Strategie war, perfekt. /s

Ich für meinen Teil werde TikTok ruhen lassen, bis es erwachsener geworden ist.

Update: Ich habe TikTok nicht ruhen lassen, bis es erwachsener geworden ist.

Oder ich meinen BMW habe, mit dem ich dann mal ordentlich auf TikTok vor tausenden Jugendlichen angeben werde. You know, was auch immer als erstes passiert. Ey Yo, Project Car Check!

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