2019-04-18 7 Minuten

Wie du Google aus deinem Leben entfernst

Nach meinem Artikel über die Datensammlung von Google ist mir klar geworden, wie sehr die Beziehung zu Google als eine abusive relationship klassifiziert werden könnte: Keine Privatsphäre? Check. Nimmt jeden Lebensbereich ein? Check. Gibt alles, damit man nicht weg von ihm/ihr kommt? Check. Nennt mich zynisch, aber die quasi-Monopolstellung von Google beginnt aus meiner Sicht, … Continued

Nach meinem Artikel über die Datensammlung von Google ist mir klar geworden, wie sehr die Beziehung zu Google als eine abusive relationship klassifiziert werden könnte:

Keine Privatsphäre? Check.

Nimmt jeden Lebensbereich ein? Check.

Gibt alles, damit man nicht weg von ihm/ihr kommt? Check.

Nennt mich zynisch, aber die quasi-Monopolstellung von Google beginnt aus meiner Sicht, uns schön langsam auf den Kopf zu fallen. Und wir kommen einfach nicht davon weg.

Ich selbst habe in den letzten Monaten einen starken Fokus darauf gesetzt, Google aus so vielen Lebensbereichen wie möglich zu verbannen. Mit teils interessanten Konsequenzen.

Hier also mein Guide/Erfahrungsbericht zum Thema: degooglify your life.

Wenn du eine gute Alternative zu einem der erwähnten Tools hast, kommentiere bitte unten! Ich werde das jeweilige Tool dann gerne noch ergänzen.

Kauf dir kein Android-Handy mehr

Werbung ist eine Steuer, die nicht tech-affine und ökonomisch schlechter gestellte Personen zahlen. Meiner Ansicht nach lässt sich dieses Statement einwandfrei auf die Privatsphäre ausweiten.

Wie wir im letzten Artikel schon feststellen konnten, ist das Betriebssystem Android einer der größten Schurken, wenn es um die Datensammlung in deinem Leben geht.

Zur Erinnerung:

Ein still liegendes, im Moment nicht verwendetes Android-Handy sendet 40 Mal pro Stunde Daten an Google, davon 14 Mal die Location deines Smartphones.

Hier wird es schon mal interessant:

Im High-End Bereich bei den Handys ist eigentlich keinen preislichen Unterschied mehr zwischen Android- und Apple-Hardware. Hier sollte die Entscheidung für jeden privacy-bewussten Menschen auf der Hand liegen.

Ja, man kann am iPhone keine Dateien via Bluetooth schicken, und es gibt einige sinnvolle Funktionen erst 1-2 Jahre nach Android. Aber, you know, wenigstens wird nicht dein gesamtes Leben auf Datenpunkte durchforstet, die werberelevant sein könnten.

In der Mittelklasse und im Low-End Bereich um die 300 Euro wird es schon schwieriger. Da ist ein iPhone (der einzige ernst zu nehmende Konkurrent von Google in dem Fall) schon fast 4mal so teuer.

Was also tun? 3 Möglichkeiten:

  • Älteres iPhone kaufen (die kriegen wahrscheinlich sogar noch länger Updates, als die Low-End Androids. Und funktionieren noch mit allen Kopfhörern)
  • Ein Android ohne Google verwenden: da braucht man jedoch bereits fortgeschrittene technische Skills – Projekte wie Cyanogenmod/LineageOS sind zwar bewundernswert, gehen aber mit einem großen Verlust an Convenience einher, sodass sie für den Endkonsumenten wohl keine sinnvolle Alternative sind.
  • Ignorance is bliss: Man kann natürlich auch einfach weitermachen wie bisher. Und dann im Chor mit der großen Masse rufen “Was!? Google überwacht uns!? Na, wie gibt es denn sowas!?”

Ein Gedankenexperiment:

Du sparst dir 600 Euro, wenn du ein Android- statt einem Apple-Gerät kaufst. Über die Lebensdauer von 2 Jahren sind das 25 Euro pro Monat.

Wenn du mir für 25 Euro

  • deine gesamte Location Historie
  • jede Webseite, die du besucht hast
  • mit wem du kommuniziert hast
  • jeden App-Aufruf, den du getätigt hast

für 1 Monat verkaufen willst, melde dich doch bitte bei mir. Ich würd’s kaufen. Das ist ein Schnäppchen.

Browser

Vor Kurzem hat mich jemand gefragt, ob es denn Alternativen zu Chrome gibt. So extrem ist die Vormachtstellung von Google im Moment.

Kurze Antwort: Ja.

Der neue Firefox ist ein wahnsinnig guter Browser. Pfeilschnell, und mit allen Funktionalitäten, die wir im Chrome schon kennen und lieben gelernt haben:

  • Synchronisation über mehrere Devices
  • Extensions (AdBlocker)
  • Convenience-Funktionalitäten
  • Für jedes Gerät

Hier gibt es also keine Ausreden! Sofort hier herunterladen.

Damit hat Google schon mal nicht mehr deine gesamte Browser-Historie. Ein wichtiger Schritt.

Allerdings:

Google “besitzt” einfach extrem viele Webseiten des Internets – entweder via Google Analytics oder über Werbetracker.

Zeit, diesen Schabernack auch zu beenden:

AdBlocker und Tracking-Cookies

Nachdem du ja oben schon Firefox heruntergeladen und installiert hast, hier direkt mal die Links zu den zwei Erweiterungen, die dich (a) werbefrei surfen lassen und (b) die Tracking-Machenschaften aller Webseiten deaktivieren.

  • Mit uBlock Origin kriegst du keine Werbungen mehr (auch auf Youtube!)
  • Mit Ghostery blockierst du die Werbetracker, die dich verfolgen.

Das war ja ein einfacher Schritt, Gratulation dazu!

Ab jetzt wird es richtig schwer:

Google als deine Suchmaschine entfernen

Es gibt inzwischen eine Vielzahl an Alternativen zu Google:

  • DuckDuckGo ist eine Privatsphären-orientierte Suchmaschine
  • Startpage bezahlt Google für Google’s Suchergebnisse, um dann die Tracker zu entfernen
  • Ecosia pflanzt Bäume für jede Suchanfrage, ist also die ökologische Lösung
  • Yahoo: HAHAHAHHAHA vergiss Yahoo. Die sind schlimmer als Google. Die sammeln deine Daten UND verlieren sie in diversen Hacking-Angriffen.
  • Bing: ja, kann man schon verwenden.

Ich persönlich verwende seit Monaten DuckDuckGo und muss sagen: Es ist ein Leidensprozess. Die Suchergebnisse sind einfach um Einiges schlechter als die von Google.

UPDATE: in den Kommentaren wurde ich auf Startpage hingewiesen. Das klingt auf den ersten Blick ziemlich interessant. Vielleicht hat mein Leiden mit DuckDuckGo bald ein Ende.

Dennoch: der Convenience-Verlust ist es mir wert. Und ganz so Schlimm ist der Umstieg auch nicht:

  • Die Suchoperatoren funktionieren gleich wie auf Google
  • Mit dem Shortcut !g kann direkt eine Google-Suche durchgeführt werden

Generell, DuckDuckGo hat ein paar interessante Features:

Im Endeffekt hat es sich nun so eingebürgert, dass ich genau weiß, bei welchen Suchanfragen ich nicht viel von DuckDuckGo erwarten kann. Diese führe ich schon mit !g aus und sehe mir nicht einmal an, was DuckDuckGo mir an Ergebnissen vorsetzen würde.

Aber jeder Umbruch geht mit der Formung neuer Gewohnheiten einher. Und die Verwendung einer anderen Suchmaschine als Standard verringert die Anzahl der Datenpunkte, die Google über dich sammelt schon einmal signifikant.

Google Docs, Google Maps und Co

UPDATE: In den Kommentaren gibt es inzwischen einen Maps-Ersatz, der anscheinend etwas drauf hat. Ich selbst habe den noch nicht verwendet.

Da ich im Apple-Ökosystem unterwegs bin, fällt es mir hier schwer, Alternativen zu nennen. Ein nennenswerter Konkurrent für Docs wäre zumindest einmal die Office 365-Suite von Microsoft. Auch dort kann man gemeinsam an Dokumenten arbeiten.

Es gilt jedoch wie immer: dass du nicht selbst das Produkt bist, lässt sich Microsoft natürlich bezahlen.

Für Maps gibt es die offene Alternative OpenStreetMaps, für die es auch diverse Android- und iOS-Apps gibt. Hier ein Wort der Warnung: Die Navigation ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit weit schlechter als die von Google und Apple.

Ich selbst verwende nach wie vor Google Maps, habe aber im Zuge dieses Artikels auf Apple Maps umgestellt. Mal sehen, wie gut das funktionieren wird.

Youtube

Die zweitgrößte Suchmaschine der Welt ist ebenfalls Teil von Google. Nur hier hat man noch weniger Alternativen, als bei der klassischen Suche. Ich habe keine Ahnung, wie man sich von Youtube loslösen könnte.

Auch wenn du einen neuen Youtube-Account anlegst und jegliches Tracking blockierst: Google kann diesen neuen Account deinem alten Google-Account zuordnen, sobald du mit beiden eingeloggt bist.

Die beste Option hier wäre wohl, sich nicht auf Youtube einzuloggen, und die Kanäle, die du öfter schaust, als Lesezeichen im Firefox zu speichern.

Das ist aber schon extrem unbequem. Ich werde meinen Youtube-Account wohl behalten. Ich bin dir nicht böse, wenn du dies auch tust.

Die härteste Nuss: E-Mail

Das Kernstück eines Google-Accounts ist die Gmail-Adresse. Bei der ist es aus meiner Sicht auch am Schwierigsten, diese zu wechseln.

Nicht nur hat Google einen der besten Spam-Filter weltweit (Big Data hat auch Vorteile), auch läuft über diese E-Mail-Adresse oft das gesamte Privatleben.

Vor Allem: wohin soll man wechseln?

GMX?

Eine Webseite, die mir an jeder Ecke Clickbait und Werbung aufdrängen will, kriegt meine E-Mails sicher nicht.

Yahoo?

Eine Webseite, die einen eigenen Wikipedia-Artikel nur über Hacks des Unternehmens hat, kriegt meine E-Mails sicher nicht.

Protonmail?

Protonmail ist die bekannteste Lösung für Privacy-orientierte und verschlüsselte E-Mails. Funktioniert super, ist gratis… und hat natürlich eine Premium-Version, die man kaufen muss, wenn man die E-Mail Adresse auch im Mailprogramm am Rechner verwenden will.

Shit.

Die Vermeidung von Spam hat für mich so hohe Priorität, bei der privaten E-Mail bleibe ich nach wie vor bei Google. Auch wenn es nicht optimal ist.

Google Kalender

Ersatz für den Google Kalender fällt mir auf Anhieb leider kein namhafter ein. Zwar haben natürlich Microsoft und Apple ihre eigenen Kalenderlösungen, aber darüber hinaus wirds schon recht dünn. Hier muss ich dich an DuckDuckGo oder Startpage verweisen. Dort finden sich sehr schnell Listen mit „die 10 besten Kalender-Apps“.

Fazit

Wenn sich ein Thema durch diesen Guide zieht, dann Folgendes:

Privatsphäre und Bequemlichkeit schließen sich oft gegenseitig aus.

Aber wie alles im Leben, ist auch dieses Thema nicht nur schwarz und weiß. Privatsphäre ist kein alles-oder-nichts, kein 0 und 1. Privatsphäre ist ein laufendes Abwägen.

Kann ich suboptimale Suchergebnisse akzeptieren, und offenbare im Gegenzug meine innersten Geheimnisse (Menschen googeln alles) eben nicht einem datensammelnden Konzern?

Investiere ich in ein teureres Handy, um zumindest die größte Datensammlung mal zu vermeiden? Wie viel ist meine Privatsphäre in Euro wert?

Von Hackern, Wordpress, SEO & Co

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5 Kommentare

    1. Habe Google Kalender als Kapitel hinzugefügt. Nur leider mit wahrscheinlich unzufriedenstellender Lösung. Neben Microsoft und Apple wird es schon etwas dünner am Kalendermarkt. Und für die anderen Startups- und Kalenderlösungen kann ich nicht bürgen, da ich sie nicht probiert habe.

      Hoffe trotzdem, dass der Artikel hilfreich war 🙂

  1. Google Maps Alternative: HERE WeGo (wego.here.com), das ehemalige Nokia Map.

    Kostenlos, cross-device sync, auch als Browserversion & eigenem Konto, d.h. man kann sich Favoriten für eine Reise bequem daheim am PC zusammenstellen. Sehr gute Navigation, Stauinfo; neuerdings auch Öffis in Echtzeit.

    Und das Wichtigste für unterwegs außerhalb EU: ganze Länder runterladen für Offline-Navigation (gab es schon lange bevor Google überhaupt daran gedacht hat).

  2. Hallo,
    danke für deine praktischen Tipps! Kannst du noch gute Alternativen zu Google Calendar empfehlen, die auf mehreren Geräten synchronisierbar sind?

    Danke dir,
    Corina

    1. Hallo,

      neben Microsoft und Apple wirds da schnell relativ dünn. Ich habe schon ein paar Listen gefunden, auf denen interessante Produkte zu sehen sind. Nur leider kann ich keines davon hier empfehlen, da ich von keinem weiß, wie gut die Privatsphäre der Nutzer gewahrt wird.

      Ich hoffe, der Artikel war trotzdem hilfreich für dich 🙂

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