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2018-06-14 4 Minuten

Wir müssen reden: Artikel 11 und Artikel 13 der EU Copyright Reform

Kaum haben EU-Unternehmen die DSGVO verkraftet, kommt direkt der nächste Schlag dort hin, wo es weh tut.

Die GDPR/DSGVO wurde weltweit als ein im Prinzip recht gutes Stück Legislatur betrachtet (bis auf die absurden Randthemen wie IP-Adressen oder dass man als Facebook-Page Betreiber für Datenschutzverstöße von Facebook mithaftet).

Da wäre es doch schade, wenn man diese Lorbeeren direkt mit einem Umfaller vor großen Konzernen wieder abgeben würde?

“Hold my beer”

– EU

Genau geht es um zwei Teile der EU Copyright Reform:

  • Artikel 11 (Auch bekannt als Linksteuer oder Leistungsschutzrecht)
  • Artikel 13 (Auch bekannt als Upload Filter oder Upload Monitoring)

Diese beiden Artikel enthalten ein paar Schmankerl, die – wie könnte es anders sein – wieder einmal das Internet wie wir es lieben, angreifen.

Und:

ES GEHT UM DIE MEMES! 😱

Aber der Reihe nach:

Artikel 11, die Linksteuer

Ich weiß nicht, wie du deine News konsumierst, aber es hat sehr wahrscheinlich bereits mit einem der Internetgiganten zu tun.

Sei es jetzt auf Facebook im Feed, mit Google News oder sogar auf Twitter.

Weißt du, wem das gar nicht gefällt?

Den großen Medienhäusern.

Die geben nämlich ihren hart erarbeiteten Content für diese Plattformen her. Genau geht es bei der Linksteuer um die Snippets, die z.B. von Facebook geladen werden, damit die User wissen, was dahinter steckt:

Ja genau. Um diese Snippets geht es.

Die Headline, das Bild und die Kurzbeschreibung sind ja eigentlich urheberrechtlich geschützt.

Was sagt Artikel 11 jetzt aus?

Unternehmen, die diese Snippets (oder generell urheberrechtlich geschützte Inhalte wie die Headline) in ihrer Plattform anbieten, und damit Geld verdienen, sollen die Urheber an den Verdiensten beteiligen.

Klingt ja prinzipiell nicht schlecht. Wenn es nicht schon in Spanien probiert worden wäre. Das Ergebnis? Klar negative Auswirkung auf die Sichtbarkeit (Traffic) dieser Medien. Journalisten haben nie etwas vom Geld gesehen.

¯\_(ツ)_/¯

Welche Auswirkungen hat die Linksteuer auf Konsumenten?

Jetzt wird es interessant. Einige der Auswirkungen sind – würde ich sagen – genau das Gegenteil von dem, was wir heute benötigen würden:

  • Fake News: Es ist leicht denkbar, dass Facebook geteilte Links von Plattformen priorisiert, die keine Lizenzgebühren verlangen (sprich: deren Geschäftsmodell nicht Leser, sondern vielleicht Propaganda sind). Auch als Blogger würde ich vielleicht eher nicht das Risiko eingehen, auf eine große Publikation zu verlinken.
  • Sicherheit: die Snippets haben auch einen Sicherheitsaspekt. Ich möchte wissen, was mich auf der Webseite erwartet. Mit den Snippets kann ich hier bereits eine erste Einschätzung treffen. Gibt es diese nicht, wird Phishing wieder einfacher.
  • Startups: Gerade der Mediensektor ist reif, von jungen, dynamischen Unternehmen überholt zu werden. Dieses Gesetz legt kleinen Publishern und Startups nur Steine in den Weg.

Artikel 13, der Angriff auf die Memes

Gut, der Artikel zielt jetzt nicht dediziert auf Memes ab, sondern auf jede Art von user generated content.

Genauer:

Jede Plattform, auf der sich “eine große Anzahl” von Usern produzierter Content befindet.

  • Foren
  • Blogs
  • Social Media
  • Videoplattformen

sind hier möglicherweise betroffen.

Betroffen von was?

User könnten ja urheberrechtlich geschützte Inhalte hochladen.

Und deswegen

muss jede dieser Plattformen einen Filter anwenden, der möglicherweise urheberrechtlich geschützte Inhalte gar nicht erst hochladen lässt.

Die super Memes zum neuen Avengers Film? Müssen genau genommen gefiltert werden.

NICHT MEINE MEMES!!1!

Dahinter stecken natürlich weitreichendere Bedenken:

  • False Positives: keine Plattform wird hier zu hohe gesetzliche Risiken eingehen. Sprich: die Filter werden eher false positives produzieren. Die Folge? Auch legaler Content wird sicherheitshalber mal entfernt.
  • Freie Meinungsäußerung: In der Gaming-Branche bereits üblich: negative Reviews unterdrücken. Mit einem Copyrightgesetz wie diesem natürlich viel leichter möglich.
  • Satire: Maschinen (und auch viele Menschen…) sind noch immer nicht so weit, dass sie Satire erkennen. D.h. auch eine völlig legale satirische Verwendung von Inhalten wird blockiert.
  • Zensur: nur große Unternehmen werden ihre eigenen automatisierten Filter entwickeln können. Kleinere Unternehmen müssen hier wohl auf Drittlösungen zurückgreifen. Hier werden wohl wenige Unternehmen die Kontrolle über die Uploads sehr vieler User haben. Es wäre naiv zu denken, dass diese Unternehmen nicht unter Druck der Erdogans dieser Erde stehen werden.

Fazit

Das strategische Ziel hier ist ganz klar: die großen Internetgiganten aus den USA anzugreifen. Passt also insgesamt super zur momentanen Stimmung.

Das ist ja kein verwerfliches Ziel. Im europäischen Raum fehlen ganz klar Unternehmen und Startups, die hier die Monopole ein wenig aufsprengen können.

Nur: genau diese nötige Innovation wird meiner Meinung nach im Interesse der großen Medienhäuser im Keim erstickt.

Und zwar genau der großen Medienhäuser, die sich jahrelang auf die sozialen Medien gestürzt haben, damit man sich nicht selbst mit der Digitalisierung und dem Aufbau eigener digitalen Geschäftsmodelle beschäftigen muss.

Jetzt wird die gesetzliche Keule geschwungen.

 

Wird alles so kommen wie in diesem Blogpost beschrieben? Unwahrscheinlich.

Natürlich gibt es sowas wie eine regression toward the mean – oder wie meine Oma sagen würde:

Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird.

 

Hier würde mich deine Meinung interessieren:

  • Wird das Internet (wieder mal) sterben?
  • Findest du gut, dass hier Facebook und Co in die Mangel genommen werden?
  • Oder pflichtest du meiner Oma bei?

Kommentiere unten. Aber bitte ohne Copyrightverstoß! ⬇️

8 Kommentare

  1. Ich hoffe es passiert nicht!!! Artikel 13 ist doch der größte UNSINN Überhaupt!! WER ERFINDET SO EINE SCH***E ich sag ja nur es wir bestimmt dadurch mehr auslösen als es sollte ICH HASSE ES ich hoffe wir schaffen es das es nicht geschiet

  2. also gerade diese automatisch erstellten snippets die man in sozialenn netzen bekommt sollten mMn explizit NICHT geschützt werden, denn es gibt einen einfachen trick. einfach keine Open Ghraph Tags in das HTML schreiben, denn die automatischen vorschauboxen die nehmen den text und das bild ja nicht durch zufall, sondern nehmen eben diese meta tags dafür. und wenn man als websitebetreiber sagt „previewbox generatoren nehmt diesen text und dieses bild“ dann ist das doch eigentlich eine einwilligung zur nutzung oder etwa nicht?

    1. Um die Snippets geht es ja eigentlich auch gar nicht. Das Märchen wurde schon beim Leistungsschutzrecht erzählt, dabei sind auch da die Snippets gezielt ausgenommen.

      Worum es geht ist, dass ein News-Aggregator wie Google eben nur den Snippet, und nicht den Großteil oder gar kompletten Inhalt eines Artikels übernehmen darf. Eigentlich nicht komplett unvernünftig…

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